Wenige Wochen vor den World Winter Games in der Steiermark (14. bis 25. März) spult der eigentliche Steirer aus Wenigzell einen immensen Arbeitsaufwand ab, um beste Rahmenbedingungen für seine Athleten zu schaffen. Im ausführlichen Interview erklärt der sportliche Leiter der im Wohnheim Dornau untergebrachten Sportunion, was ihn so an Special Olympics fasziniert und welche Momente für all seine Mühen entschädigen.

Seit wann sind Sie bei Special Olympics und im Wohnheim Dornau engagiert?

Mit Special Olympics kam ich erstmals 2002 in Berührung. Damals waren die nationalen Special Olympics in Bludenz in Vorarlberg und das war unser erstes Kennenlernen unserer Sportunion mit Special Olympics. Seit 1998 arbeite ich im Wohnheim Dornau. Meine Schwester hat dort als Krankenschwester gearbeitet und so bin ich dort reingerutscht. Ich habe damals gleich mit den Bewohnern mit Sport begonnen und seither lässt es mich nicht mehr los.

Was ist das Faszinierende daran, mit intellektuell beeinträchtigten Athleten zu arbeiten?

Das sind eindeutig die Emotionen. Diese ehrlichen Gefühle sind eine große Sache, die einen packen. Die Athleten sagen es auch offen, wenn sie nicht wollen, doch es finden sich immer Wege, sie zu bestärken. Weltspiele sind eine unvorstellbare Motivationen für unsere Athleten. Dafür nehmen sie auch bis zu sechs Trainingseinheiten pro Woche zwischen zwei und dreieinhalb Stunden in Kauf. Und das immer mit einem Lachen im Gesicht, weil auch eine unheimliche Gruppendynamik vorhanden ist. Das ist cool, das machent die Weltspiele aus.

Special Olympics Team Burgenland

Reden die Athleten über die Weltspiele in der Steiermark?

Sie tun dies eigentlich, seit die Sommerspiele in Los Angeles vor zwei Jahren vorbei sind. Weltspiele sind das größte Ziel, das unsere Athleten haben. Jene, die bereits Weltspielerfahrung haben, machen jenen, die zum ersten Mal dabei sein werden, schon klar, wie groß und wichtig das ist.

Wie schwierig ist es, Trainer zu finden und was müssen die mitbringen?

Wir haben ca. 20-25 ehrenamtliche Trainer. Das Schwierige ist, die Richtigen zu finden. Es sind Sportstudenten dabei, ehemalige Zivildiener, Eltern oder ehemalige Praktikanten in unserem Wohnheim, die ihre Leidenschaft für Special Olympics entwickelt haben und unsere Sportler betreuen. Es steht ja nicht nur das Training im Mittelpunkt, sondern vor allem der Umgang mit unseren Athleten. Das Menschliche ist sicher wichtiger als das Sportwissenschaftliche. Ich habe das größte Problem damit, wenn ein Trainer sagt, diesen oder jenen Sportler nehme ich nicht mit. Für mich hat jeder behinderte Mensch das Recht, Sport zu machen, egal, wie er sich anstellt. Solange der Sportler sich an unseren Codex hält, darf er mit dabei sein. Das bedeutet, dass ihm das Training wichtig ist, dass er nicht zu aggressiv zu sich selbst und anderen ist. Für mich zählt nicht die Spitzenleistung, sondern das regelmäßige Training, ob der Stockeinsatz beim Skifahren nun passt oder nicht, ist für mich zweitrangig.

Was ist die größte Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

Das Schwierige für mich als Koordinator ist es, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, denn wir sind mittlerweile ein großer Verein. Es muss die Infrastruktur gegeben sein, die Trainingsstätten müssen organisiert werden, der Transfer unserer Sportler zu den Stätten usw. Die Unterstützung des Wohnheim Dornau dabei ist gewaltig.

Finanziell ist dies wohl auch eine Herausforderung…

Wir werden sicherlich nicht weniger trainieren, weil uns finanzielle Möglichkeiten fehlen. Die Finanzierung der sportlichen Belange ist eine meiner Hauptaufgaben, Special Olympics z.B. übernimmt einen Großteil der Trainerentschädigungen, wobei alle unserer Trainer ehrenamtlich tätig sind und diese Gelder nur eine Wertschätzung für ihren Aufwand darstellen. Unsere Trainer absolvieren mit den Athleten mehr als 1.000 Stunden im Jahr, wobei hier aber der Aufwand der Fahrten nicht miteingerechnet ist, sondern nur die reinen Trainingseinheiten. Für die Coaches ist es eine Leidenschaft, aber trotzdem setze ich mich dafür ein, dass diese Leidenschaft auch ein wenig entschädigt wird.

Wo benötigt ihr am meisten Hilfe bei den Finanzierungen?

Trainerentschädigungen, Sportstätten usw. das ist alles bestens geregelt. Wo wir aber am meisten finanzielle Mittel brauchen, ist, Sportler zu unterstützen, die überhaupt kein Geld haben, denen ein  Einkommen oder eine Familie fehlt, die auch unterstützt. Mir ist wichtig, dass auch diese Sportler ordentlich eingekleidet sind, dass sie eine geeignete Ausrüstung haben. Aber es gibt Gottseidank immer mehr Sponsoren, die uns dabei extrem unterstützen. Wir tun auch viel, um Geld aufzutreiben.

Ist es leichter geworden, an Sponsoren zu kommen?

Leichter in dem Sinn, dass wir mehr Aufmerksamkeit erregen, z.B. durch unsere Erfolge. Die Sponsoren wissen, dass hier etwas Gutes gemacht wird. Der Zuspruch steigt aber auch bei behinderten Menschen, die bei uns mitmachen wollen. Es ist ja keine Notwendigkeit, im Wohnheim Dornau zu wohnen, um in unserer Sportunion als Athlet mit dabei zu sein.

Es klingt so, als ob Sie die Tätigkeit für Special Olympics ausfüllt. Sie haben aber noch einen Brotberuf.

Das ist natürlich richtig, ich bin Landwirt in Wenigzell und vor allem in den Phasen vor großen Events wie den Weltspielen hilft mir meine Frau extrem. Die freut sich natürlich, wenn ich auch einmal zuhause bin. Unsere drei Kinder sind so oft wie möglich bei den Trainings dabei und leben den Special Olympics-Geist mit.

Welche Momente entschädigen für all diesen Aufwand?

Eine Siegerehrung mit unseren Sportlern entschädigt schon einmal sehr viel. Ich war schon bei so vielen dabei und trotzdem drückt es mir jedes Mal die Tränen in die Augen. Oder die Aufregung und Freude bei unseren Athleten vor und während der Spiele, bspw. bei der offiziellen Einkleidung, die wir im Rahmen der Weihnachtsfeier als Modenschau gestaltet haben. Dieses Strahlen in den Augen unserer Athleten ist unwahrscheinlich, weil sie sich wertgeschätzt fühlen.

Sie sind seit 1998 im Wohnheim Dornau tätig. Welches Erlebnis ist Ihnen in diesen Jahren besonders in Erinnerung geblieben?

In Südkorea bei den Weltwinterspielen hatten wir mit Siegi Lorenz einen tollen Skifahrer und Medaillenkandidaten beim Super G am ersten Tag am Start. Er ist Vierter geworden, ein paar Hundertstel haben ihm gefehlt auf das Podium. Er war entsprechend enttäuscht und hat es nicht verstanden, wollte auch nicht mehr starten. Am nächsten Tag stand aber der Riesentorlauf am Programm. Ich habe ihn dazu gebracht, dass wir noch am Abend trainieren, vor allem beim Start habe ich noch viel Potenzial gesehen. Ich habe eine Piste organisiert und wir haben über Stunden nur den Start trainiert. Am Tag darauf hat er im Riesentorlauf Gold geholt. Wir haben ihm das Ergebnis bis zur Siegerehrung nicht verraten und als er dann als Goldmedaillengewinner aufgerufen wurde, hat er vor Freude geweint. Und diese Emotionen mitzuerleben ist einfach wunderschön.

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