Gibt es Mütter, die den oft zitierten Spagat zwischen Familie und Beruf mit scheinbarer Leichtigkeit schaffen und sich dabei aber auch noch selbst verwirklichen? Wir haben mit einer gesprochen, die dem schon sehr sehr nahe kommt. Anna Mayr ist dreifache Mutter, hat eigentlich zwei Jobs und ist zum Drüberstreuen noch im Vorstand des Fußballklubs, in dem ihr Sohn im Nachwuchs kickt. Ob sie eine dieser „Supermamis“ ist? „Aber geh“, meint sie selbst. Sie verriet uns, wie sie ihr Leben so gestaltet und wie der perfekte Muttertag für sie aussieht.

Wir haben uns mit Anna Mayr am Sportplatz des ASVOE in Wien Hietzing getroffen, dort ist auch der ASV 13 beheimatet. Die Anlage ist fast ihr zweites Zuhause, seit ihr Sohn vor einigen Jahren begonnen hat, beim ASV 13 im Nachwuchs zu kicken. Mittlerweile spielt er in der U13.

Riesenerfolg der ASV 13 Nachwuchsfußballer im Coca-Cola CUP Landesfinale

Der Verein feierte jüngst einen der größten Erfolge in dessen Nachwuchsgeschichte. Die U12 erreichte beim Coca-Cola CUP Landesfinale in Wien das Endspiel und hat sich somit für das Bundesfinale bei Titelverteidiger Austria Wien qualifiziert. „Für den Verein ist das schon sehr genial“, freut sich Anna Mayr, „vor allem wird unser Team von zwei Trainerinnen geführt, was leider eine wirkliche Seltenheit ist.“ Aus Mayr spricht einerseits Fan, aber auch das Vorstandsmitglied des Vereins. Seit 2012 kümmert sie sich um Geldbelange beim ASV 13.

Familiäres Sportprogramm löst logistische Herausforderungen aus

Anna Mayr steht gemeinsam mit ihrer Familie so oft wie möglich an der Seitenlinie, wenn ihr Sohn dem runden Leder nachjagt. So auch beim diesjährigen Muttertag, denn am Vormittag steht ein Match am Spielplan. „Der Muttertag bedeutet für Kinder wohl mehr als für Mütter. Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn sich die Kinder bemühen, selbst etwas zu basteln oder ein Gedicht zu lernen“, so Mayr. Muttertagspläne können bei der Wienerin aber auch Skepsis auslösen. „Im Vorjahr wollten mir meine Töchter das Frühstück ans Bett bringen und mit Bröseln im Bett kann ich überhaupt nicht… Aber sie haben dann verschlafen, somit hat sich das Bröselproblem von alleine gelöst.“ Auch für die beiden Töchter sind Sport und Bewegung auch wichtig, die eine macht Rhythmische Gymnastik, die andere interessiert sich eher für Künstlerisches wie Tanzen. „Logistisch natürlich eine Herausforderung“, so Mayr, „doch wenn die Kinder älter werden hat man in Wien natürlich den Vorteil der Öffis.“

Junge Kicker des U12 jubeln über ihren Sieg beim Coca-Cola CUP 2017
Die jungen Kicker des ASV 13 jubeln über ihren Erfolg beim Coca-Cola CUP. "Eine Riesensache für uns", so Mayr.

Foto: GEPA pictures

Ein Vorstandsposten, zwei Jobs, drei Kinder

An sich hat die WU-Absolventin zwei Jobs. Sie kümmert sich in einem Ziviltechnikbüro um die Finanzen und vertreibt unter www.nicestuff.at stylische Wohn- Accessoires. Die Idee zum Online-Shop kam ihr, während sie bei Kind Nummer zwei im Mutterschutz war. „Ich habe nach den Kindern nicht mehr Vollzeit gearbeitet und wusste, dadurch bekommt man im Job nicht mehr die wirklich spannenden Projekte, weil man eben nicht die notwendigen Stunden investieren kann“, erinnert sie sich zurück, „und ich habe für mich etwas Spannendes gebraucht.“ Und so entstand die Idee zu www.nicestuff.at. „Ich habe aber nie das Risiko gewagt, voll und ganz auf den Online-Shop zu setzen, aber es ist eine interessante, abwechslungsreiche und vor allem zeit-flexible Sache für mich, in der ich aufgehen kann.“

„Wichtig ist ein gutes Netzwerk“

Wie schafft man es nun, all die Dinge unter einen Hut zu bringen? Welche Tipps kann man werdenden oder jungen Müttern geben?

„Es kursieren so viele Meinungen zum Thema Job und Familie oder Erziehung und diese Diskussionen sind in den letzten Jahren auch immer ideologischer geworden. Das Wichtigste ist, dass man seinen eigenen Weg findet“

sagt Anna Mayr. „Ich bin unmittelbar nach dem Mutterschutz 10 Stunden in der Woche arbeiten gegangen. Auch wenn es andere Anschauungen gibt, bin ich der Meinung, dass es ein Kind schon aushält, wenn die Mama mal zwei Vormittage nicht da ist.“ Wichtig sei hier natürlich ein gutes Netz, wenn es um die Unterstützung geht. „Wer nicht auf eine Oma oder andere liebe Menschen zurückgreifen kann, hat es natürlich schwierig. Unheimlich wertvoll ist natürlich auch ein guter Partner, der bei der Erziehung kräftig mithilft – das Glück habe ich.“

 

„Es gibt noch andere Dinge für Mama und Papa“

Wichtig ist es für Mayr auch, bei der Erziehung zu berücksichtigen, den Kindern nicht das Gefühl zu geben, die ganze Welt würde sich um sie drehen – was auf den ersten Blick vielleicht für den einen oder anderen hart klingt. „Die Kinder sind zweifellos das Wichtigste für mich, sie sollen aber auch merken, dass es noch andere Dinge für Mama und Papa gibt.“ Das sei aber sicherlich nicht so einfach, so die dreifache Mutter. „Jedes Kind hat auch ein anderes Aufmerksamkeitsbedürfnis und darauf muss natürlich auch eingegangen werden.“

Muttertagsfrühstück – ohne Brösel

Nach dem Ende des Gesprächs nimmt Anna Mayr Abschied von Freunden und Bekannten am Sportplatz des ASV 13. Den einen oder anderen sieht sie wohl bald wieder. Vielleicht sogar schon am Muttertag, wenn das Team des Sohnemanns bei Fortuna 05 um drei Punkte spielt. Davor hofft sie auf jeden Fall von Bröseln im Bett verschont zu bleiben. „Frühstück gerne, aber bitte am Tisch.“