Muhtar Kent, Präsident von Special Olympics Gründungspartner Coca-Cola, und Special Olympics Präsident Tim Shriver sehen die Idee der Special Olympics, die Förderung von Inklusion, die Wertschätzung aller Menschen und deren Talente als Schlüssel für eine bessere Zukunft. Wir haben beide nach der Eröffnung der Special Olympics World Winter Games in Schladming befragt.

Muhtar Kent, wie fühlen Sie sich nach dieser großartigen Special Olympics Eröffnung?
Muhtar Kent: Ich fühle mich unglaublich gut, weil es mir so viel Energie gibt, hier bei Special Olympics mit dabei zu sein. Seit zehn Jahren bin ich eng mit dieser Bewegung verbunden, aber dieser Eröffnungsabend war ein spezieller Moment in diesem wunderschönen Ort hier in den österreichischen Alpen. Neben all der Energie der Athleten, der Zuschauer, der Volunteers, unserer Coca-Cola Mitarbeiter, die mithelfen, diese Spiele so großartig zu machen, war es für mich ein außergewöhnliches Erlebnis, denn ich habe siebeneinhalb Jahre für Coca-Cola in diesem wunderschönen Land Österreich gearbeitet und gelebt. Danke auch an Tim Shriver und das Committee, die so etwas ermöglichen. Die Gründer Eunice und Sargent Shriver wären sehr stolz gewesen auf diese tolle Eröffnung. Alle Athleten, die ich getroffen habe, die mich umarmt und begrüßt haben, werden mir in Erinnerung bleiben.

Muhtar Kent und Johanna Pramstaller
Muhtar Kent herzt Special Olympics Global Messenger Johanna Pramstaller

Foto: Coca-Cola/Martin Steiger

Tim Shriver, sie haben bei der Eröffnung mit einer großartigen Rede alle beeindruckt. Wie fühlen Sie sich nach dieser großen Eröffnung?
Tim Shriver: Es gibt so viele Spannungen und Unruhen in der Welt, egal, von wo man herkommt. Und auch hier stellt sich die Frage: Jemand ist anders als ich, können wir diese Unterschiede überwinden? Ist es möglich, dass die Gesellschaft das im 21. Jahrhundert schafft? Bei der Eröffnung der Spiele haben wir darauf eine Antwort erhalten. Wir haben gesehen, wie es sein könnte, wenn wir Menschen eine Chance geben, egal, was ihm passiert ist oder wie er ist. Und wen hat der Regen gekümmert? Tausende Besucher sind gekommen, das Stadion war voll und sie sind nicht vor den Fernsehern gesessen. Die Menschen in Österreich haben ein Signal in die ganze Welt gesendet: Wir können Grenzen und Schranken überwinden. Auch, wenn du Angst hast, weil du das Down-Syndrom oder Autismus hast, fürchte dich nicht, wir sind hier für dich!

Ist es das, wofür Special Olympics steht?
Tim Shriver: Special Olympics ist mittlerweile DIE Marke, die Welt-Bewegung für Inklusion in praktisch jedem Land der Welt. Wir haben über 220 staatliche Programme in 170 Ländern, vor allem lokal, in den Gemeinden. Damit helfen wir Menschen, Grenzen zu überwinden. Das sind ganz banale Dinge, wie einen Fußballplatz, einen Tennis-Court, ein Schwimmbecken, eine Loipe oder eine Skipiste zu errichten. Jetzt, im 21. Jahrhundert entwickeln wir uns in eine Richtung, wo der Unterschied zwischen Gewalt und Inklusion irgendwie in der Schwebe hängt. Und wir von Special Olympics sind dazu da, eine Entscheidung zu treffen, dass die Antwort immer Inklusion sein muss. Das ist die Botschaft von Schladming, das ist die Botschaft von Österreich, das ist die Botschaft von mehr als 100 Ländern, wie wir bei der Eröffnung gesehen haben.

Inklusion ist das Schlüsselwort der Special Olympics. Auch bei Coca-Cola wird Inklusion ganz groß geschrieben. Warum ist der Begriff so wichtig für Coca-Cola?
Muhtar Kent: Eine der Kernideen von Special Olympics ist die Inklusion und mit ihr Differenzen zu überbrücken. Das entspricht genau unseren Kernwerten. Das ist auch der Grund, warum es die Partnerschaft seit 49 Jahren gibt, seit dem Beginn von Special Olympics. Eunice Shriver hatte eine unglaubliche Idee: Innovation durch Bewusstwerdung. Sie hat diese Bewegung gegründet, um Barrieren niederzubrechen, Leute zusammenzubringen und das über das tolle Medium Sport. In der Geschäftswelt sagen wir immer, eine Marke ist ein Versprechen, eine gute Marke hält ihr Versprechen. Und Special Olympics hält sein Versprechen in der ganzen Welt, Inklusion und Menschenwürde zu schaffen. Das sind auch Kernwerte von Coca-Cola. Unsere 770.000 Mitarbeiter in 207 Ländern stehen für dieses Versprechen und sind auch stolz, Teil der Special Olympics Bewegung zu sein. Ich lade alle anderen Unternehmen ein, sich dieser Bewegung anzuschließen. Helft, Barrieren zu brechen mit der Unterstützung dieser unglaublich innovativen Idee!

Special Olympics ist eine sehr spezielle Bewegung, Wie funktioniert sie?
Tim Shriver: Special Olympics sind nicht nur die Weltspiele alle zwei Jahre. Special Olympics sind 100.000 Spiele jedes Jahr. Wir sind natürlich Teil der olympischen Bewegung, aber es tut sich so viel abseits davon in Nachbarschaften, Städten, Schulen, Sportvereinen. Jedes Jahr vergeben wir Medaillen an Athleten, die ihr Bestes geben. In den USA sehen wir eine sich toll entwickelnde Inklusionsbewegung in Schulen. Der, wie wir ihn nennen, Unified Sport bringt Kinder zusammen und sie lernen dabei Dinge wie Führungsqualitäten und Empathie zu entwickeln. Aber was ist es, was gute Führungspersönlichkeiten ausmachen? Es ist das große Herz, die offene Persönlichkeit, andere zu motivieren, ohne sie zu kontrollieren und das alles kann man von Special Olympics Athleten und dem Spirit unserer Bewegung lernen. Special Olympics gibt es seit nahezu 50 Jahren, aber wir wachsen schneller als je zuvor. Ich glaube, unsere Zeit ist jetzt! Es ist unsere Zeit, in der unsere Athleten ihre Geschichten erzählen.

Tim Shriver Opening Ceremony
Tim Shriver und die Special Olympics Global Messenger bei der Eröffnungsfeier der Spiele in Schladming

Foto: Special Olympics/GEPA pictures

Was muss passieren, dass Special Olympics überall so bekannt wird wie in den USA?
Tim Shriver: Wir brauchen mehr Menschen, die die Geschichten der Athleten erzählen. Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung wird oft eingeredet, sie hätten keine Geschichte zu erzählen, sie würden nicht zählen. Vielen unserer Athleten wurde eingebläut, sie seien eine Null. Nun sagen sie, sie seien durch Special Olympics vom Zero zum Hero geworden. Und sie haben Recht! Womit sie nicht Recht haben ist, dass sie vorher eine Null waren. Sie waren auch vorher Helden. Wir brauchen Stories, die bewegen und inspirieren. Und wir haben unzählige solcher Geschichten, wir brauchen nur jemanden, der sie den Menschen erzählt – die Medien, unsere Partner und deren Kanäle.

Ist das auch der Grund, warum sich Coca-Cola entschlossen hat, hier zu unterstützen?
Muhtar Kent: Special Olympics und Coca-Cola haben vom ersten Tag an zusammengepasst, im kommenden Jahr feiern wir unser 50-jähriges Jubiläum und ich muss Tim beipflichten. Special Olympics wächst stärker denn je und zwar von unten mit nachhaltiger Wirkung. Und wenn wir hier mithelfen können, sind wir sehr glücklich.

Tim, glauben Sie, dass einmal der Tag kommt, an dem Inklusion nicht mehr notwendig sein wird?
Tim Shriver: Das ist eine sehr gute Frage, ich hoffe doch. Ich bin nicht sicher, ob ich es noch erleben werde. Ich glaube, dass noch sehr viele falsche Wege eingeschlagen werden im Umgang mit Menschen, die anders sind. Da ist so viel Angst, manchmal habe ich das Gefühl, wir bewegen uns in der Inklusion wieder rückwärts. Es ist keine leichte Arbeit, sie macht zwar Spaß, es ist eine Freude, aber es ist nicht einfach. Alle, die an Inklusion glauben, haben mit Widerstand zu kämpfen. Manche sagen, Inklusion sei irrelevant, sei zu teuer oder gar gefährlich, man solle wo anders investieren. Ich hoffe, es kommt einmal der Tag, an dem es irrelevant ist, über Inklusion überhaupt zu diskutieren. Aber ich befürchte, es wird länger dauern, als uns lieb ist.

Das Wort „Integration“ verstehen sehr viele Menschen, bei „Inklusion“ tun Sie sich ein wenig schwer.
Tim Shriver: Bei Integration denken viele an etwas physisches, an eine Wand, die wir einreißen und wir sind nun im selben Raum. Inklusion richtet sich an die Gesellschaft, spricht von Möglichkeiten, von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung. Toleranz ist ein altes Wort, das immer noch benutzt wird, aber es meint eigentlich, dass ich es erlaube, dass du hier bist. Auch, wenn ich dich vielleicht nicht mag. Wir müssen hier etwas viel Positiveres finden, wie Wertschätzung. Wir müssen soweit kommen, dass wir die Talente eines jeden respektieren und was er für unsere Gesellschaft tun kann.

Was wünschen Sie diesen Weltwinterspielen?
Muhtar Kent: Ich wünsche mir, dass mehr Österreicherinnen und Österreicher von den Winter Games hören, lesen und sehen. Sie sollen dabei die Idee dahinter verstehen, um wieviel besser die Welt wäre, wenn die Idee der Inklusion greift.

Tim Shriver: Ich hoffe, alle Athleten haben die beste Zeit ihres Lebens, machen die schönsten Erfahrungen. Sie sollen nach Hause fahren und sagen, ich war in Österreich, ich war auf der Weltbühne, ich bin Ski gefahren oder Snowboard, ich habe alles gegeben. Ich hoffe, sie blicken ein Leben lang auf diese Momente zurück und wissen immer, sie haben einen Platz in dieser Welt.


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