Was waren das für Stunden in Schladming!

Eine unglaubliche Atmosphäre lag über dieser Stadt, die ihren Höhepunkt in der Eröffnung der Spiele am Samstagabend fand. Schon im Vorfeld dieses Opening-Events hat jeder so stark gemerkt, dass hier was Spezielles passiert. Etwas, das mit anderen Sportevents nicht vergleichbar ist.

Den Unterschied machte aber nicht ein möglicherweise fehlender Ernst in der Konzentration auf die in den nächsten Tagen folgenden Wettbewerbe. Vielmehr ist es die unglaubliche Vorfreude, Euphorie und Leidenschaft, die den Unterschied ausmachte. Ein ständiges Lächeln als Begleiter der Athleten, das jeden Zuschauer mitriss und nicht mehr los lies.

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Die beeindruckende Eröffnung der Special Olympics

Foto: Erich Artner

Mittlerweile war ich auf vielen Wettkämpfen, als aktiver Athlet oder als Zuseher. Unzählige Triathlon-Veranstaltungen pflastern meinen Weg als Para-Athlet, ich habe dort viele sehr schöne Erlebnisse genießen dürfen und bin Zeuge von Nervosität und Vorfreude am Start, sowie der Befriedigung aber auch Unzufriedenheit im Ziel geworden. Von Aufopferung während des Wettkampfes und vom Besiegen des eigenen Körpers und Willens, bis hin zum Förmlichen über sich selbst Hinauswachsen. Was ich bisher aber noch nicht erfahren durfte, ist diese unglaubliche Leidenschaft, diesen unbändigen Willen, seine Leistung zu zeigen, ohne Ausreden und ohne sich darüber Gedanken zu machen, wer besiegt werden muss.

Diese Leidenschaft und Freude lässt sich so schön auf das Leben übertragen und viele Dinge sind dir auf einmal nicht mehr wichtig, weil sie diese Wichtigkeit, die sie eben noch hatten, gar nicht verdienen. Diese Athleten zeigten mir so rasch, um was es wirklich geht und das auch meine körperliche Behinderung keine Rolle in der Größe meiner Leidenschaft spielt, sondern immer nur das, was ich daraus mache.

SO-Skilauf
Skilauf mit Leidenschaft, die Grenzen überwindet

Foto: Special Olympics/GEPA pictures

Eine beindruckende Lehrstunde, die ich dort erhielt. Obwohl ich dachte, dass ich aufgrund meiner Körperbehinderung durch zwei amputierten Unterschenkeln vielen Menschen anhand meiner gefinishten Wettkämpfe zeige, was alles möglich ist, lehrten mich die Athleten – besonders durch ihre Leidenschaft – dass es nicht wichtig ist, was in Extremsituationen alles möglich ist, sondern, dass man diese Möglichkeiten immer ausschöpfen und sie ständig leben sollte.

Jubel bei den Skibewerben
Jubel nach der erfolgreichen Fahrt

Foto: Special Olympics/GEPA pictures

Und irgendwann bin ich dann nach dem Zuschauen und Beobachten der beeindruckenden Skiwettkämpfe am Sonntag wieder nach Hause gefahren und hatte noch immer diese beeindruckenden Bilder vor mir. Meine Meinung hatte sich so stark gedreht, zu jenen Gedanken die ich bei der Hinfahrt hatte.

Diese Gesichter der Athleten haben so klar und eindeutig gesagt: „Nicht wir bitten euch um Integration, wir laden euch zur Inklusion ein und an unserem beeindruckenden Leben teil zu haben, um damit ein sich durch alle kulturellen und gesellschaftlichen Schichten ziehendes WIR zu schaffen.“


Gastkommentator Erich Artner ist Handicapsportler und Vortragender, er erzählt über seine Erfahrungen des positiven Umgangs mit Herausforderungen! Als Ausdauersportler mit beidseitiger Unterschenkelamputation hat er bereits mehrere Triathlonbewerbe über die Ironman-Distanz absolviert.
www.erichartner.at