Josef Jansky und Martin Plattensteiner, Nachwuchs-Coaches von Rapid und Austria, im Interview

 

Sie betreuen die Stars von morgen, sind als Nachwuchstrainer großer Vereine und müssen den Spagat zwischen Spaß und Erfolg schaffen. Dass dies nicht so leicht ist, welche Rolle der Coca-Cola CUP für die beiden spielt und wie sich die beiden großen Wiener Vereine die jungen Kicker-Talente aufteilen, verraten sie im Doppelinterview.

Coca-Cola CUP

Ist man als Austria und Rapid dazu verdammt, dass man ein Turnier wie den Coca-Cola CUP mit der Erwartung des Turniersieges angeht, oder kann man es sich leisten, im Vorfeld zu sagen „mal sehen, was rauskommt“?

Martin Plattensteiner: „Der Coca-Cola CUP ist österreichweit das beste Turnier. Es sind alle Top-Mannschaften dieser Altersklasse mit dabei und als Austria Wien, und ich denke, ich spreche auch für den Kollegen von Rapid, startet man mit dem Vorhaben, das Turnier zu gewinnen. Jeder von uns beiden kennt das Gefühl bereits und das wollen wir natürlich immer wieder erleben.“

Josef Jansky: „Natürlich wollen wir gewinnen, wir wollen jedes Turnier gewinnen, zu dem wir fahren. Wir wollen vorrangig attraktiv spielen und damit wird auch der Erfolg kommen." 

Coca-Cola CUP im internationalen Vergleich

Wie kann man den Coca-Cola CUP im Vergleich zu internationalen Turnieren sportlich einordnen?

MP: „Beim Bundesfinale gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Die Spielzeit ist relativ knapp bemessen, das kommt den Vereinen aus den Bundesländern oft auch entgegen. Sie stehen meist hinten gut gestaffelt, was es uns schwer macht. Hat man die Vorrunde überstanden, geht es wirklich zur Sache. Spätestens ab dem Halbfinale ist es eine enge Geschichte. Wir kennen uns ja nicht nur von der Meisterschaft, sondern auch von Freundschaftsspielen. Wir treffen uns rund vier Mal pro Jahr und so kennt man die Stärken und Schwächen des anderen."

JJ: „Es sind alle Top-Teams mit dabei und spätestens ab dem Halbfinale hat der Coca-Cola CUP internationales Niveau. Der Coca-Cola CUP ist ein toller Rahmen, die Inszenierung ist fantastisch, viele Zuseher, eine professionelle Abwicklung. Wir spielen nicht immer vor so einer Kulisse. Es ist wichtig, dass die Burschen auch lernen, damit umzugehen.“

Nachwuchsmannschaften Austria gegen Rapid

Wie schätzen Sie die Mannschaft des Stadtrivalen ein? Wo liegen die Stärken der der Austria und wo jene von Rapid?

MP: „Die Stärke von Rapid liegt klar in der körperlichen Überlegenheit. Sie haben sehr dynamische und kampfkräftige Spieler und spielen einen überfallsartigen, raschen Fußball.“

JJ: „Die Austria ist sehr kombinationssicher, spielt attraktiv nach vorne. Eigentlich, wie man es von der Austria erwartet. Das gilt es, mit den eigenen Stärken zu unterbinden.“

MP: „Oft sind die Stärken abhängig vom Jahrgang und der Anzahl der Kinder mit bestimmten Qualitäten. Man versucht aus der Mannschaft das Optimum herauszuholen und sie zu entwickeln. Zwischen Austria und Rapid ist es immer eine enge Sache.“

Talentsuche in jedem Jahrgang

Wie sind die Unterschiede zwischen verschiedenen Jahrgängen zu erklären?

JJ: „In der Regel hat man in jedem Jahrgang das eine oder andere sehr gute Talent. Der Unterschied liegt in der Dichte. Wenn man Glück hat, hat man, vier, fünf oder sogar sechs wirklich gute Spieler. Alles, was darüber hinausgeht, ist ein mittleres Wunder."

MP: „Dem kann ich nur beipflichten, es liegt an der Dichte der Qualität. Wir nehmen an vielen internationalen Bewerben teil. Dort merkt man, dass vor allem die deutschen Vereine mehr Kinder in der angesprochenen hohen Qualität haben. Wenn wir zwei, drei Klasse-Spieler haben, hat beispielsweise Bayern München sechs oder sieben. Unsere Vereine schöpfen neben anderen Wiener Vereinen aus 2 Millionen Leuten die besten Talente, hier hat München ein größeres Einzugsgebiet."

JJ: „Ein Extremfall ist Hertha BSC. Die Hertha ist im Raum Berlin ein relativer Monopolist. Warum sich dieser Erfolg nicht bis zur Kampfmannschaft fortpflanzt, ist eine andere Geschichte."

Spiel gegen defensive Gegner

Mit welcher Taktik schickt man die Burschen auf das Feld, wenn man weiß, dass der Gegner sehr defensiv eingestellt sein wird?

MP: „Es ist ein Geduldsspiel, das eng werden kann. Man kann das im Training vorher mit Spielformen auf ganz engem Raum üben. Gerade die vermeintlich kleinen Vereine stehen mit sechs Mann in der Defensive (Anmerkung: In der Altersklasse U12 wird mit 8 Feldspielern gespielt) und hier kann man als Favorit schnell ungut aussehen. Ein Beispiel ist das Semifinale im Coke CUP 2014. Wir waren von der Papierform her Favorit, doch die NZS Sulmtal aus der Steiermark hat nach einem 0:0 im Penaltyschießen gewonnen. Wir sind ohne Gegentreffer aus dem Spiel heraus dem Turnier ausgeschieden, haben nur im Penaltyschießen Treffer kassiert.“

JJ: „Das ist aber auch der Reiz solcher Turniere. Man muss das als Favorit annehmen und lernen, damit umzugehen. Das ist auch ein gutes Training für mentale Stärke, für Stress und den Umgang mit Drucksituationen. Deswegen gefällt mir das auch.“

Spaß beim Fußballnachwuchs

Vor allem beim Nachwuchsfußball soll der Spaß im Vordergrund stehen. Wie sehr kann man es sich als Austria oder Rapid leisten, den Spaß in den Mittelpunkt zu rücken? Ist man nicht dazu verdammt, erfolgreich zu sein?

JJ: „Für mich schließt das eine das andere nicht aus. Wichtig ist, dass sich die Spieler auf das Spiel konzentrieren. Den Ergebnisdruck machen sich die Burschen selber. Es ist Aufgabe von uns Trainern, ihnen bewusst zu machen, dass es ums Spielen geht. Letztendlich ist jeder Fußballer und Trainer im Herzen noch ein kleines Kind. Je mehr man sich auf das konzentriert, desto eher wird der Erfolg kommen. Geht der Spaß verloren, ist das hemmend für den Erfolg und kontraproduktiv.“

MP: „Die individuelle Förderung jedes Einzelnen steht natürlich im Vordergrund. Spaß muss der Fußball sowieso machen. Mit zunehmendem Alter wird die Drucksituation natürlich höher. Man spielt nicht NUR aus Spaß, selbst bei einem Bad-Kickerl spielt man um ein Eis. Es geht immer um etwas. Man darf den Spaß nicht immer und zu sehr in den Mittelpunkt rücken, sonst gehen uns mitunter Talente mit absoluter Winner-Mentalität verloren. Die Freude muss natürlich überwiegen. Ich setze voraus, dass jeder, der Fußballprofi werden will, mit Freude am Spiel dabei ist.“

 

 

Der Coca-Cola CUP

Der Coca-Cola CUP fand 2015 bereits zu elften Mal statt. Mehr als 1.400 Teams mit mehr als 21.000 Spielerinnen und Spieler und mehr als 110.000 Zuschauer waren bislang beim Coca-Cola CUP mit dabei. Die besten U12-Mannschaften jedes Bundeslandes treten gegeneinander an. 20 Mannschaften aus ganz Österreich waren nach neun Landesfinalturnieren beim großen Bundesfinale in der Akademie der Wiener Austria mit von der Partie. Der U12 des SK Rapid gelang als erstem Verein die Titelverteidigung, insgesamt sicherten sich die Hütteldorfer zum dritten Mal den Coca-Cola CUP (Rekord). Die Wiener Austria belegte Rang fünf. 

Alle Infos zum Coca-Cola CUP unter www.fussballoesterreich.at.