Am 17. und 18. Juni geht in der Akademie der Wiener Austria das Coca-Cola CUP Bundesfinale über die Bühne. Nach Teamchef Marcel Koller und ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner haben wir nun mit Profitrainer und Ex-Nationalteamspieler Didi Kühbauer über seine Schritte im Nachwuchsfußball gesprochen.

Didi, der Coca-Cola CUP ist der bedeutendste Bewerb im Nachwuchsfußball für U12-Teams. Du hast in dem Alter im Nachwuchs des SV Mattersburg gespielt. Das ist mittlerweile 30 Jahre her. Was hat sich seit dieser Zeit auch im Nachwuchsfußball verändert?

Didi Kühbauer: „Es hat sich sehr viel getan im österreichischen Fußball, vor allem mit der Gründung der Akademien, auch, wenn alles vielleicht ein wenig spät gekommen ist. Hier sind uns die Niederlande oder Frankreich voraus, aber zum Glück sind in den letzten 15 bis 20 Jahren die richtigen Schritte gesetzt worden. Auch die Trainer verfügen über Lizenzen und Ausbildungen. Früher war alles ein wenig „Wald und Wiese“, heute ist alles viel strukturierter, aber das bringt auch die Zeit mit sich.“

Nach dem Nachwuchsfußball - Didi Kühbauer im Länderspiel
55 Länderspiele stehen auf dem Konto von Didi Kühbauer

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Für viele der Spieler ist das Bundesfinale das erste wirklich große Turnier und der Gewinn der erste große Erfolg in der Karriere. Was ist der erste große Titel, an den du dich erinnern kannst?

Didi Kühbauer: „Wir sind in Mattersburg leider nie Meister geworden, weil andere Vereine im Burgenland eine bessere Nachwuchsarbeit gemacht haben. Mit 14 bin ich dann zur Admira, wo schon damals ein extremer Fokus auf den Nachwuchs gelegt wurde und das ist bis heute so geblieben. Dort haben wir uns mit Rapid und Austria gematcht, das waren schon Herausforderungen.“

„Die Eltern sollen das Kind nicht unter Druck setzen“

Du bist seit rund 30 Jahren im Fußball-Profigeschäft unterwegs. Welchen Tipp kannst du einerseits jungen Talenten auf den Weg mitgeben, andererseits aber auch den Eltern?


Didi Kühbauer: „Dem Spieler muss ans Herz gelegt werden, dass er immer fokussiert arbeitet und dass Fußball auf dem Weg zum Profi vielleicht nicht immer Freude bereitet. Er muss versuchen, immer das Bestmögliche zu geben, im Training und im Match. Die Eltern sollen das Kind nicht unter Druck setzen. Oft zerbrechen junge Talente daran, weil Mama und vor allem Papa meinen, den Weg der Karriere planen zu können. Aber es passieren so viele Dinge wie die Pubertät oder das Wachstum. Wichtig ist es, dass die Eltern dem Kind in der Phase des zwischenzeitlichen Stillstands in der Entwicklung, und den hat nahezu jeder Fußballer irgendwann, den nötigen Rückhalt geben, positiv beeinflussen und ihn aufbauen.“

Wie stehst du dazu, als junger Spieler ins Ausland zu gehen. Es gibt viele Beispiele, wo es geklappt hat, so z.B. Martin Stranzl, aber auch viele, die ohne je den Durchbruch geschafft haben, nach Hause heimkehrten?

Didi Kühbauer: „Es gibt einige Spieler, die es geschafft haben – wie eben ein Martin Stranzl, aber auch viele, die gescheitert sind. Es kommt einfach auf das Naturell des Spielers an. Ist er eher introvertiert und braucht die Familie als Rückhalt, ist es schwer und der Schritt sollte nicht gesetzt werden. Einerseits ist es eine gute Idee, Talente schon früh ins Ausland zu schicken, weil dort oft das Umfeld besser ist. Andererseits haben aber viele österreichische Spieler den Weg nach Deutschland auch in älteren Jahren gefunden, nachdem sie in unserer Bundesliga 100 oder 150 Spiele absolviert haben.“

„Die Tür eines guten Trainers steht immer offen.“

Eine wichtige Rolle im Nachwuchsfußball spielen die Trainer. Wie unterscheidet sich ein Trainer im Nachwuchs von jenen bei den Profis und wo gibt es doch die eine oder andere Parallele?

Didi Kühbauer: „Was bei beiden passen muss, ist die fachliche Kompetenz, egal, ob man Nachwuchstrainer ist oder einen Bundesligaverein coacht. Mit jungen Spielern, aber auch mit Profis muss man sehr viel kommunizieren, im Nachwuchs aber auf eine andere Art. Junge Talente brauchen mehr Zuspruch, denn sie sind mitten drin in der Persönlichkeitsentwicklung. Die Schritte vom Kinder- in den Jugendfußball und danach zu den Erwachsenen sind nicht leicht. Als Profitrainer hat man es meist mit Erwachsenen Spielern zu tun, wenn auch die Jungprofis mit 18 oder 19 Jahren auch noch nicht ausgereift sind. Aber auch bei den Erwachsenen gibt es introvertierte Spieler, die man kitzeln muss, um sie zu fordern, wobei man eben bei Kindern und Jugendlichen vorsichtiger sein muss.“

Lange vor dem Coca-Cola CUP 2017 - Österreichisches Team zur WM 1998
Kühbauer war auch Teil des erfolgreichen Teams, das sich für die WM 1998 in Frankreich qualifiziert hat.

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Du hast in deiner Karriere schon sehr viele Trainer gehabt und bist auch selbst sehr erfolgreich an der Outlinie. Welche drei Eigenschaften sind deiner Meinung nach die wichtigsten, um in diesem Job gut zu sein und vor allem, um seine Spieler und Teams besser zu machen?

Didi Kühbauer: „Die fachliche Kompetenz steht über allem. Wichtig ist auch Authentizität, die Spieler müssen das Gefühl haben, der Trainer meint es ehrlich und spielt mir nichts vor. Wichtig ist es auch, den Spielern zuzuhören, egal ob Nachwuchsspieler oder Profi. Die Tür eines guten Trainers steht immer offen.“

Alle Ergebnisse zum Coca-Cola CUP findest du unter www.fussballoesterreich.at.