Mittwoch, 15:30 Uhr, Akademie des FK Austria Wien in Favoriten: Die U13-Mannschaft macht sich bereit für eines der drei Trainings in dieser Woche. Heute haben die Übungseinheiten aber etwas Besonderes an sich. Es wird ihnen nämlich ein ganz Großer des heimischen Fußballs dabei auf die Beine sehen – Teamchef Marcel Koller. Als Sieger des Coca-Cola CUP im Juni haben die Jungveilchen nämlich einen Trainingsbesuch des obersten Coaches der rot-weiß-roten Fußballnation gewonnen. Was der Teamchef zu sehen bekommt, gefällt.

FK Austria Wien Akademie - sportliche Heimat von David Alaba

15:45 Uhr: Teamchef Marcel Koller fährt mit seinem Dienstauto ins Akademiegelände ein. Begrüßt wird der Schweizer von Akademie-Leiter Ralf Muhr. Bevor es auf den Rasen geht, plaudern die beiden noch in Muhrs Büro bei einem Kaffee. Eindrücke jüngster Spiele werden dabei ebenso ausgetauscht, wie die Erfahrungen Muhrs mit Spielern in den vergangenen Jahrzehnten. Beim Weg auf den Platz verweist Muhr voller Stolz auf eine Collage mit namhaften Spielern, die im Nachwuchs der Wiener Austria groß geworden sind. Darauf sind ein David Alaba, Julian Baumgartlinger, Heinz Lindner oder auch ein Aleksandar Dragovic zu finden. Der Teamchef zeigt sich beeindruckt – auch von den recht eigenwilligen Frisuren der Spieler zu Akademie-Zeiten.

Wenn man vom obersten Trainer der Nation etwas erklärt bekommt...

16:00 Uhr: Das Training der Burschen beginnt. Gemeinsam mit Muhr und den beiden bisherigen Trainern Max Uhlig und Raphael Thonhauser – die beiden werden auch in dieser Saison die U12 der Austria betreuen und somit die Titelverteidigung beim Coca-Cola CUP anstreben – betritt der ÖFB-Trainer das Spielfeld. Die beiden aktuellen Coaches Stefan Kenesai und Harald Zöbinger haben ihre Übungen schon aufgebaut. Der Trainingsgast wird natürlich sofort entdeckt und auch begrüßt. Per Handschlag und einem „Hallo“ oder „Grüß Gott“ wird erste Bekanntschaft mit Koller gemacht. Die Youngsters beginnen mit Passübungen. „Wie steht ihr zu Beidbeinigkeit? Forciert ihr den schwächeren Fuß oder versucht ihr, den stärkeren zu fördern. Wie oft trainiert ihr“, will Koller von den Coaches wissen. Nach wenigen Pässen hat der Teamchef bereits jene Spieler mit höchstem Potenzial erkannt. „Es kann sich aber noch so viel ändern. Ich habe während einer längeren Verletzungspause die C-Jugend bei Grasshoppers Zürich trainiert. Dabei gab es einen Burschen, der wirklich viel Talent hatte. Er hat es aber nicht ganz nach oben geschafft, während es andere mit vermeintlich weniger Begabung zum Profi in der höchsten Liga brachten“, erinnert sich Koller. Wichtig sei hierbei auch, wie die Burschen mit dem ersten Ruhm umgehen, wirft Muhr ein. „Ich erinnere mich an den 15-jährigen Michael Madl, der als einer der besten in der damals jüngst gegründeten Akademie galt. Er war auf dem Cover der damaligen Sportwoche abgebildet. Ihn von diesem hohen Ross runterzuholen, hat drei Monate gedauert. Es ist sicherlich nicht leicht für so junge Burschen, mit Erfolg und Publicity umzugehen. Aber wir haben das wieder hinbekommen.“

Gemeinsam mit den Trainern Uhlig und Thonhauser sowie Akademie-Leiter Muhr beobachtet Koller die jungen Kicker ganz genau.

16:20 Uhr: Während die Burschen trainieren, haben Koller und Muhr natürlich ein Auge auf die Übungen, nutzen die Zeit aber auch, um über Spieler zu sprechen, die beide unter ihren Fittichen hatten. Da ist die Rede von einem David Alaba oder auch einem Marko Arnautovic. „Als ich zum Team gekommen bin, hat mich Marko schon verwundert. Nach Beendigung einer Übung hat er beispielsweise einfach den Ball weggeschossen. Die anderen haben das einfach so hingenommen und ich habe gefragt, was denn mit dem los sei. ‚Ach, der ist einfach so‘ haben sie mir geantwortet und mit der Zeit kam ich auch damit klar“, erinnert sich Koller an die Anfänge mit Arnautovic zurück.

Der Teamchef schnappt sich einen Ball und steigt gleich ins Training ein.

"Wo haben Sie gespielt?"

16:40 Uhr: Die Mannschaft nutzt die erste Trainingspause, um mit dem Nationalcoach ins Gespräch zu kommen. Die anfängliche Nervosität und Schüchternheit legt sich langsam nach dem einen oder anderen „Na traut euch, er beißt nicht“ von den Trainern. Nach einigen Fragen wie „Wo haben Sie gespielt?“ oder „Wo waren Sie zum ersten Mal Trainer?“ folgen die obligatorischen Selfie-Wünsche, die Koller selbstverständlich erfüllt. Danach dreht Koller den Spieß um, befragt die möglichen Teamspieler von morgen. Er schnappt sich auch gleich drei Spieler und einen Ball und baut ein praktisches Beispiel ein. „Wo bewegst du dich hin, wenn dir dein Mannschaftskollege den Ball spielen will? Wie signalisierst du ihm, dass er spielen soll? Wann weißt du, wann du passen sollst?“, will Koller wissen. Fragen, auf die die Burschen auch die richtigen Antworten haben. „Ihr seid gut ausgebildet, ich habe auch bei den Übungen gesehen, eure Trainer geben die richtigen Tipps“, streut Koller den Austria-Coaches Rosen, was Akademie-Leiter Ralf Muhr natürlich besonders freut.

Marcel Koller verabschiedet sich "jugendstilgerecht" von den Youngsters der Austria per High Five

17:00 Uhr: Nach dem letzten Selfie mit den jungen Kickern verlassen Koller und Muhr den Rasen. Auf dem Weg zum Auto wird noch kurz über die Trainer im Austria-Nachwuchs gesprochen. Beim Verabschiedungshandschlag bedankt sich Ralf Muhr nochmals für den Besuch, der für seine jungen Burschen „ein tolles Erlebnis“ war. Wann sich die beiden wiedersehen, wissen sie bereits. Beim drei Tage später stattfindenden Meisterschaftsspiel der „großen“ Veilchen gegen den LASK.

 

Alle Infos und Ergebnisse zum Coca-Cola CUP gibt es auf fussballoesterreich.at