Schüler bilden Start Ups

Start Ups, ein Begriff, mit denen wohl vor einigen Jahren nur wirkliche Wirtschafts-Insider etwas anfangen konnten, kennt heute jeder. Eine besondere Art der Start Ups sind Junior Companies, bei denen sich eine Gruppe von Schülern zusammentut und im Laufe eines Schuljahres ein Geschäft aufzieht. Zwei solcher Start Ups sind 5pm aus der Steiermark und Wine-Line aus Niederösterreich, die es beide bis ins Finale des Junior Company-Wettbewerbs geschafft haben. 5pm ging aus dabei sogar als Sieger hervor.

15 Schüler gründen Start Up 5pm

Ein Tee gefällig? Das dachten sich auch 15 Schülerinnen und Schüler des BG/BRG Stainach in der Steiermark und starteten ihre Junior Company „5pm“. „100% Bio, 100% handgemacht und ohne Zusatzstoffe“ sollten die Produkte sein. „Das haben wir auch geschafft“, so die Schüler stolz. Die Schüler sind Tanja Zeiringer, Anja Fluch, Jakob Peckl, Michael Baumann, Alrun Frauscher, Julian Seebacher, Viktoria Gassner, Vanessa Böhm, Celina Linz, Stefani Lucic, Rahila Hadzic, Celina Gassner, Alexandra Keinprecht und Ibrahim Özhan. Begleitet wurden sie von Lehrer Christian Quehenberger.

Teapop vom Schüler Start Up 5pm
Teapop - der Lolly mit Teegeschmack

Foto: 5pm

Alles rund um Teegeschmack

Im Online-Shop gibt es exklusive Tees wie Herbal Secrets oder Mr. Berry. Innovationsgeist zeigte die Gruppe vor allem mit dem Teatab und den Teapops. Ein Teatab sieht aus wie ein kleines Zuckerl, verwandelt aber heißes Wasser in köstlichen Tee. Das lästige Entsorgen des Teebeutels entfällt also. Und Teapops sind nichts anderes, als Tees in Lollipop-Form. Dieses Konzept überzeugte nicht nur lokale Supermärkte, die die Produkte gelistet haben, sondern auch die Jury beim Junior Company Bewerb. „Die Konkurrenz beim Bundesfinale war sehr groß, es waren lauter sehr gute und erfolgreiche Business-Ideen dabei“, so die Steirer, „wir freuen uns umso mehr, dass wir gewonnen haben.“ 5pm vertritt Österreich nun beim Europafinale in Brüssel. Eine spannenge Reise wartet auf die Schüler.

Schüler Start Up Wineline
Die Flasche schwebt scheinbar - die Macher vom Schüler Start Up WineLine kennen sich mit Statik aus.

Schüler Start Up WineLine – Einfach, elegant, luxuriös

Ein anderes Genussmittel stand bei einer Gruppe der HTL Mödling im Mittelpunkt – Wein, besser gesagt, die kunstvolle Lagerung und Präsentation von Wein. „WineLine“ hieß die Junior Company von Nina Eiböck, Tobias Zischka, Julia Singer, Noah Tömböl, Moritz Hütteneder, Felix Grünert, Andreas Samwald, Erik Buchanan, David Stickler, Manuel Herzog, Bernhard Schweizer und Melina Pichler.

„Die Idee von WineLines Produktserie begann mit dem Gedanken, in altem Material neues Potential zu entdecken und das Beste herauszuholen“, so die Schüler. Das „alte Material“ waren gebrauchte Fassdauben, die zu zwei einfachen, eleganten, aber trotzdem luxuriösen Produkten umgestaltet wurden. Vineyard – bestehend aus einer einzelnen Fassdaube, mit einem dezenten Fuß aus Edelstahlprofilen, eignet sich der Weinständer hervorragend für Weinflaschen. Re-Vined, eine Schale aus mehreren Fassdauben dient zur Präsentation von Snacks wie Käse, die bei keiner Weinverkostung fehlen dürfen. Als drittes Produkt im Portfolio hatten die Niederösterreicher Vinney. Auf den ersten Blick nur ein Stück Holz, doch dies lässt jeden Wein „schweben“. Durch die Berechnung des Schwerpunktes, balancieren sich die Halterung und die Flasche perfekt aus – ein Eyecatcher in jedem Wohnzimmer. Hier kommt keine gebrachte Fassdaube zum Einsatz. Um aber den „grünen Gedanken“ auch bei diesem Produkt fortzuführen, kaufte Vine-Line je 10 Euro des erwirtschafteten Gewinns einen Quadratmeter Regenwald in Costa Rica, um ihn vor Rodung zu schützen.

Junior Companies - „Ein rundum sehr gutes Projekt“

Die Junior Companies werden auch von Experten aus der Wirtschaft besucht, die letzte Tipps geben. Sandra Lischka, Brand Managerin bei Römerquelle, war in Mödling zu Gast und zeigte sich begeistert. „Was die Mädels und Burschen hier auf die Beine gestellt haben, ist schon beeindruckend. Die Produkte sind durchdacht, praktisch, stilvoll und elegant. Die Preise stimmen, somit die Absätze auch. Ein rundum sehr gutes Projekt.“

 

Das Team von WineLine mit Gast Sandra Lischka - im Vordergrund der Weinständer Vineyard.

Wie erfolgreich eine Geschäftsidee ist, lässt sich auch an der Bestellmenge und der Auslastung der Produktion eruieren. „Wir sind mit der Herstellung nicht mehr nachgekommen, so groß war das Interesse“, berichten die Schüler. Wer jetzt neugierig geworden ist und eines der drei Produkte kaufen möchte, der muss leider vertröstet werden. Die Schüler kommen nun ins Maturajahr, beginnen mit ihrer Diplomarbeit und haben keine Ressourcen, um WineLine zu betreiben. „Aber wer weiß, vielleicht packt uns nach der Matura wieder der Unternehmergeist! Dass die Produkte Anklang finden und unser Business-Plan funktioniert, haben die vergangenen Monate gezeigt“, blicken die Schüler in die Zukunft.

Schüler haben Freude am Schaffen

„Bei so viel Unternehmergeist und jugendlicher Innovationskraft ist mir um den Standort Österreich nicht bange“, so WKÖ-Präsident Dr. Christoph Leitl, der beim Finale des Bewerbs mit dabei und von den Präsentationen begeistert war, „die Freude am Schaffen, wie ihr sie bei eurer Tätigkeit als Junior Unternehmerinnen und Unternehmer erlebt habt, ist unverzichtbar für den weiteren Berufsweg und schafft Anreize für den zukünftigen Weg in die Selbstständigkeit.“

 

Was ist eigentlich eine Junior Company?

Wir zitieren Junior Österreich, eine Non-Profit Organisation, die durch handlungs- und erlebnisorientierte Bildungspraxisprogramme das unternehmerische Denken von Schülern fördert. „SchülerInnen im Alter von 15 bis 19 Jahren gründen reale Unternehmen für die Dauer eines Schuljahres und bieten selbst entwickelte Produkte und Dienstleistungen auf dem realen Markt an. Die Jugendlichen entwickeln selbständig ihre eigene Geschäftsidee und durchlaufen alle Phasen eines realen Wirtschaftsprojekts von der Ideenfindung und Teambildung über Planung, Produktion, Marketing und Verkauf bis hin zum Geschäftsabschluss. Sie arbeiten selbständig im Team und erfüllen alle unternehmerischen Aufgaben selber. Der Kreativität sind hierbei kaum Grenzen gesetzt, das Angebot der JUNIOR Companies reicht von einfachen Dienstleistungen bis hin zu patentierten Produkten.“ Seit 1995 gründeten 30.000 Schüler aller Schultypen bereits über 3.000 JUNIOR Unternehmen jeweils für die Dauer eines Schuljahres.