Mit Verwunderung reagierten viele Mitarbeiter im Büro von Coca-Cola Österreich, denn Country Manager Adrian Cernautan hat eine ungewöhnliche Entscheidung getroffen. Er hat den Schlüssel seines Dienstwagens zurückgegeben und verzichtet auf das Firmengefährt.

Verzicht auf Firmenwagen

Adrian Cernautan kommt ursprünglich aus Rumänien und war für Coca-Cola schon in seinem Heimatland und in Ungarn tätig. Seit zwei Jahren leitet er Coca-Cola Österreich und geht nun einen ungewöhnlichen Weg – im wahrsten Sinn, denn er hat sein Firmenfahrzeug zurückgegeben. Doch warum?

„Die Frage ist leicht zu beantworten“, so Cernautan, „ich habe analysiert, wieviel Zeit ich mit welchen Dingen jeden Tag verbringe, um herauszufinden, wo ich mehr Zeit für mich finden kann, um Deutsch zu lernen, Sport zu betreiben oder mich mehr meiner Familie zu widmen. Dabei habe ich erkannt, dass ich zwei Stunden täglich im Auto sitze und diese Zeit könnte ich viel besser nutzen.“

Schlüssel abgeben

Was folgte war die klassische Pro- und Contraliste. Auf der einen Seite stand beispielsweise „vor Regen sicher“ oder „Relaxen während der Fahrt“. Dem gegenüber standen Dinge wie „im Stau stehen ist kein Relaxen“ oder „unsichere Ankunftszeiten“. Nach einem einwöchigen Testlauf entschied sich der Country Manager dazu, den Schlüssel abzugeben und sich künftig nur mehr mit Öffis oder gelegentlich sogar mit dem Fahrrad (Fahrzeit etwas mehr als eine Stunde) ins Büro zu bewegen.


Verzichtet auf das Auto und fährt U-Bahn
Der neue Dienstwagen: die U-Bahn der Wiener Linien.

Foto: Wiener Linien/Johannes Zinner



Bewegen im wahrsten Sinn des Wortes war auch ein Beweggrund (so, nun genug der Bewegung) für den Verzicht auf das Auto. „Ging ich vorher 5.000 bis 6.000 Schritte pro Tag sind es nun mehr als doppelt so viele. Hinzu kommen täglich 400 Stufen. Für mich ist der Weg ins Büro und wieder nach Hause auch eine Art kleines Workout“, so Cernautan.

Deutschkurs to go

Die moderne Technik macht es möglich, dass Cernautan die beiden Stunden zum Büro und retour nicht nur für die körperliche Bildung nutzt. „Mittels Podcasts lerne ich Deutsch, höre mir Nachrichten an oder lerne durch Beiträge über die Wirtschaft dazu.“ Doch die täglichen Wege mit der U-Bahn oder dem Rad sind für Cernautan mehr als eine Bildungsreise. „Ich bekomme auch ein Gefühl für die Menschen in Österreich, für die Stadt. Ich entdecke Eigenheiten der Österreicher, aber auch so tolle Dinge wie Straßenmusiker oder die kleine Bäckerei mit köstlichem Gebäck.“


Öffentlich statt mit Auto
Adi Cernautan liebt nicht nur Wien, sondern auch das sehr gut ausgebaute Öffi-Netz.

Foto: Wiener Linien/Johannes Zinner

Im Büro hat die Entscheidung des Chefs bei einigen für Verwunderung gesorgt. „Aber wenn ich den Kollegen meine Argumente vorgetragen habe, haben sie Verständnis gezeigt. Ev. stecke ich ja jemanden mit meiner Idee an“, so Cernautan. Im Headquarter von Coca-Cola Österreich arbeiten Mitarbeiter aus rund 20 Nationen. „Wir haben Kollegen aus Argentinien, Belgien, USA, Niederlande, Italien, Ukraine, Rumänien, Österreich. Es ist fantastisch, all diese verschiedenen Sichtweisen zu erfahren. Speziell beim gemeinsamen Mittagessen in unserer Küche.“ Als Cernautan nach Wien kam, fiel ihm auf, dass die meisten Kollegen in die Kantine am Euro Plaza in Wien 12, in dem das Coca-Cola Office untergebracht ist, Essen gehen. „Wir haben dann die Küche ein wenig gemütlicher und einladender gestaltet, um gemeinsames Essen zu fördern. Es hat funktioniert“, freut sich Cernautan.

Funktionieren tut auch sein neues Konzept, was seine täglichen Wege anlangt. „Es ist für mich nicht nur der ideale Weg, die Menschen besser kennenzulernen, diese herrliche Stadt zu entdecken, sondern auch als Person reicher zu werden.“ Man wird also doch reicher, wenn man etwas abgibt.