Österreichs Homeless World Cup-Team eroberte bei der Fußball-WM der Obdachlosen in Oslo in Norwegen den hervorragenden neunten Platz und damit den Salvation Army Pokal als Trophäe. Trainiert wird das Team von Ex-Nationalspieler Gilbert Prilasnig. Die Fäden im Team laufen bei Thomas Jäger von der Caritas Steiermark zusammen, der dafür sorgt, dass das außergewöhnliche rot-weiß-rote Team gute Voraussetzungen vorfindet.

Fakten zum Homeless World Cup

  • Der Homeless World Cup (HWC) ist eine Fußball-Weltmeisterschaft für Obdachlose, Flüchtlinge und Personen mit Alkohol- und Suchtproblemen.
  • 2003 wurde der HWC erstmals abgehalten. Österreich als Gastgeberland konnte die Goldmedaillie gewinnen.
  • Der Initiator Harald Schmied erhielt für seinen Einsatz das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich.
  • 15 Mal wurde das Turnier seither weltweit ausgetragen.
  • 2017 ging der Homeless World Cup in Oslo über die Bühne.
  • Mehr als 500 Spieler aus mehr als 70 Nationen feierten dabei gemeinsam ein Fest, das zeigt, welche Kraft der Sport haben kann.
  • Österreich eroberte den ausgezeichneten neunten Platz und kehrte mit dem Salvation Army Pokal nach Hause zurück.

Teammanager Thomas Jäger mit seiner Mannschaft.

Foto: Anita Milas

Einen anderen Blickwinkel auf soziale Probleme schaffen

„Der Homeless World Cup hilft einerseits den Betroffenen, die in einer Alkohol- oder Drogensucht stecken, obdachlos oder als Flüchtling neu in ein Land gekommen sind, um eine neue Perspektive zu finden. Es hilft aber auch das Thema Obdachlosigkeit und soziale Randgruppen aufs Tapet und so den Zuschauern und der Bevölkerung der austragenden Stadt nahe zu bringen. Man schafft damit einen anderen Blickwinkel auf soziale Probleme.“

Teammanager Thomas Jäger von der Caritas Steiermark

Rassige Szenen in Oslo.

Foto: Homeless World Cup Austria

Das österreichische Team

Teammanager Thomas Jäger begleitet das Projekt seit sechs Jahren mit Begeisterung. Coach Gilbert Prilasnig ist seit 14 Jahren dabei und hilft dem Team mit seinem Erfahrungsschatz. Vom ersten Sichtungstraining bis zur WM vergehen sechs bis sieben Monate. Aus 60 bis 70 Spielern nominieren die Verantwortlichen letztendlich jene acht Kicker, die Österreich beim Homeless World Cup Finalturnier vertreten.

Thomas Jäger: „Die richtigen Spieler zu finden ist die größte, aber gleichzeitig auch spannendste Aufgabe. Es sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Einerseits natürlich ein gewisses sportliches Niveau, andererseits aber auch der soziale Background. Die Teilnahme an dem Turnier soll den Spielern ja weiterhelfen und Perspektiven geben.“

Damit die Mannschaft auch zusammenfindet, werden einige Trainingslager veranstaltet, bei denen vor allem das Teambuilding im Mittelpunkt steht.

Selbst Bundespräsident Van der Bellen drückte den Teilnehmern (nicht nur virtuell) die Daumen.

Durch den Homeless World Cup wieder voll im Leben

Wie gut dies funktionieren kann, zeigt sich an Oliver Hundsturfer, der 2016 noch als Spieler mit dabei war und nun als Co-Trainer neben Gilbert Prilasnig auf der Bank Platz nahm. Durch seine Teilnahme am Homeless World Cup hat er im Vorjahr Ingrid und Dietmar Pfurtscheller vom Homeless World Cup-Sponsor kvm-tec kennen gelernt. Die beiden waren von ihm so begeistert, dass sie ihm einen Job in ihrem Unternehmen angeboten haben. Oliver Hundsturfer hat so wieder die Spur gefunden. Er will dem Homeless World Cup aber etwas zurückgeben. „Deshalb hat er Trainerprüfungen gemacht und war in diesem Jahr als Coach mit dabei“, freut sich Teammanager Jäger.

Es gab viel zu bejubeln für das österreichische Team.

Foto: Homeless World Cup Austria

Vom Obdachlosen zum umjubelten Kicker

Das Team wurde im Vorfeld auch von einer Mental-Betreuerin begleitet. „Sie wird auch in den Wochen nach der WM die Ereignisse mit den Burschen aufarbeiten, denn schließlich sollen sie den Schwung, den sie vor allem von der einen Woche in Oslo, wo sie keine Suchtkranke, Obdachlose oder Flüchtlinge waren, sondern umjubelte Kicker, ins Leben mitnehmen.“ Jäger ist sich sicher: „Wenn die Spieler bei ihrer Therapie oder ihrer Jobsuche denselben Elan zeigen, wie beim Fußball, bin ich sehr optimistisch.“

www.homelessworldcup.at
www.caritas-steiermark.at