„Wir müssen uns auch einmal Gedanken über den Menschen machen, der nach der Digitalisierung gebraucht wird. Das tun wir nicht. Wir bleiben in unserem Denkmodell, dass der Mensch so sein muss, wie er heute ist.“ - so begann Prof. Dr. Gunter Dueck seine Keynote vor dem Stifterverband in Deutschland und als zukünftiger Erwachsener stimme ich ihm da vollkommen zu.

Wir leben in einer Welt, die sich ständig weiterentwickelt, jetzt noch viel rasanter als früher. Wahrscheinlich stehen wir sogar vor einem totalen Wandel unserer Arbeitswelt. In den Schulen, die uns Schülern den Weg dahin ebnen, uns die Bausteine und Werkzeuge für diese Arbeitswelt mitgeben sollen, merkt man von diesem Wandel nichts.

Bildung im 21. Jahrhundert

Natürlich gibt es hie und da kleine Adaptionen an das 21.Jahrhundert: digitale Schulbücher, Beamer im Unterricht, Hausübungen in digitaler Form. Mit Sicherheit allesamt gute Schritte, aber zu wenige. Denn es geht nicht nur darum, mit neuen Technologien umgehen zu können. Vielmehr noch muss man sich damit beschäftigen, wie sich die Herausforderungen des Arbeitslebens dadurch verändern werden. Welche Berufe wird es noch geben, wenn ich anfange, zu arbeiten? Welche Aufgaben werde ich wahrnehmen müssen?

Digitalisierung in moderner Bildung

Der soziale Kontakt, der Umgang mit Menschen, wird immer wichtiger. So arbeiten wir mittlerweile viel mehr im Team als noch vor 100 Jahren. Projekte werden im Team geplant, Unternehmensprüfungen werden im Team durchgeführt, Programme werden im Team entworfen und das sind nur einige wenige Beispiele. Anhand der Summen, die man mittlerweile für Marketing und das Wohlfühlen von Kunden ausgibt, kann man ganz leicht ableiten, welchen Stellenwert allein der Kontakt mit dem Kunden hat. Berufe, in denen man Aufgaben ganz alleine wahrnimmt oder mit niemandem in Kontakt tritt, sind nur mehr Einzelfälle.

Und wie arbeite ich in der Schule? Hauptsächlich alleine.
Um fair zu bleiben, da gibt es noch vereinzelt Gruppenarbeiten und gemeinsame Referate. Bleibt noch die Frage, ob einen das wirklich auf das Leben nach der Schule vorbereitet…

Lösungskompetenz in Moderner Bildung

Dann wäre da noch die Lösungskompetenz; wie man an Probleme herangeht. Die Aufgaben, die auf uns zukommen, werden immer komplizierter. Es stellen sich dann viele Fragen: Wie löse ich die Aufgabe, wie strukturiere ich meine Arbeit, wer könnte mir dabei helfen und noch viele mehr.

Wieder zurück in der Schule. Auf welche „Herausforderungen“ dieser Art stoße ich da?
Welche ähnlichen Aufgaben aus der Schule führen uns näher an dieses Lösen von Problemstellungen hin?

Sich selbst zu präsentieren und andere von sich oder seiner Meinung zu überzeugen, ist wohl mittlerweile eines der wesentlichsten, wenn nicht sogar das wesentlichste Element im „wahren Leben“. Ob in einem Meeting, bei Kunden, bei Investoren oder wobei auch immer: Das richtige Auftreten, aber auch die Fähigkeit zu überzeugen und zu begeistern, sind essentiell.

Erste Schritte werden auf dem Gebiet auch schon gesetzt. Wo meine Eltern noch von eher raren, aufgeregten Referaten aus ihrer Schulzeit erzählen, erkennt man heute doch einen größeren Stellenwert von Präsentationen in unseren Schulen. Wir üben das Präsentieren, wenn auch immer noch nicht ausreichend. Die Schule sollte sich in einen Ort entwickeln, wo Diskussionen im Klassenverband und mit den Lehrern angeregt und gefördert werden. Nur so können wir lernen, Dinge kritisch zu hinterfragen, uns in andere Positionen hineinzuversetzen und andere zu überzeugen, von seiner eigenen Meinung mitzureißen – eben so, wie man es auch im späteren Leben brauchen wird.

Verbesserungen an der Bildungslandschaft

Die Bildungslandschaft braucht noch viele Anpassungen, um auch wirklich eine Vorbereitung auf die Welt von heute und vor allem auf die Welt von morgen bieten zu können. Der erste Schritt zu Verbesserung wäre einmal darüber nachzudenken, welche Herausforderungen wir Schüler zukünftig bewältigen müssen. Damit müssen wir beginnen - am besten gleich heute!


Bei diesem Text handelt es sich um einen Gastkommentar von Bundesschulsprecher Harald Zierfuß. Der 17-jährige Wiener besucht das Gymnasium GRG3 Kundmanngasse und ist seit diesem Schuljahr oberster Vertreter für Österreichs Schülerinnen und Schüler.