Grow Together – ein Projekt, bei dem sozial schwache Familien mit Babys betreut werden, wurde nun vom NPO & SE Kompetenzzentrum der WU Wien hinsichtlich ihrer Sozialrendite untersucht und erzielte dabei einen imposanten Wert. 2013 ging Grow Together als Sieger bei „Ideen gegen Armut“ hervor.

Der Social Return of Investment, kurz SROI und im Deutschen hie und da Sozialrendite genannt, versucht, (soziale) Projekte hinsichtlich ihres gesellschaftlichen Mehrwerts einzuordnen. Olivia Rauscher, Bereichsleiterin für Wirkungsanalysen am Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien, erklärt: „Die Methode will neben den finanziellen explizit auch die sozialen und gesellschaftlich bedeutenden Wirkungen der Organisation messen.“ Klingt kompliziert, ist es auch: Unzählige Faktoren werden berücksichtigt und miteinbezogen. Am Ende kommt eine Zahl heraus, die besagt, wieviel Impact durch einen bestimmten Input erzeugt, das heißt welcher gesellschaftliche Mehrwert geschaffen wurde, dargestellt in monetären Einheiten. Also: Wie viele Euro an Wirkung erziele ich für einen investierten Euro. Warum die Darstellung der Wirkungen in Geldeinheiten? „Das ist eine einfache und leicht verständlichen Möglichkeit, die vielfältigen Wirkungen einer Investition in einer Spitzenkennzahl darzustellen“, so Rauscher.

Doch warum will man das wissen? Non-Profit-Organisationen und Sozialunternehmen sind zunehmend von der Vergabe öffentlicher Gelder angewiesen. Damit diese ihre Wirksamkeit nachweisen können, werden solche Untersuchungen durchgeführt.  

Das NPO & SE Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien wurde von Coca-Cola Österreich mit der Evaluierung des Projekts „Grow Together – Für einen guten Start ins Leben“ beauftragt. Das Projekt wurde im Rahmen der Initiative “Ideen gegen Armut” zum Preisträger 2013 gewählt. Der „Ideen gegen Armut Innovationspreis“ (IGA) wurde 2007 von Coca-Cola Österreich gemeinsam mit "Der Standard" und dem NPO & SE Kompetenzzentrum der WU Wien ins Leben gerufen, um Projekte zum Thema Armutsbekämpfung und Armutsprävention in Österreich mit einer „Anschubfinanzierung“ in ihrer Umsetzung zu unterstützen. Seit Anfang 2016 läuft die Initiative unter dem neuen Namen Get active Social Business Award.

Bei Grow Together werden Familien mit Babys betreut, die fünf Säulen des Projekts sind: 
1. Aufsuchende bindungsorientierte therapeutische Betreuung 
2. Einzelpsychotherapie der Eltern 
3. Soziale Unterstützung durch Ehrenamtliche und Praktikanten (Babysitten, Amtswege, etc.) 
4. Wöchentliche Mutter-Kind-Gruppe (Themen: Erziehung, Beziehung, gewaltfreie Kommunikation, Körperarbeit, medizinische Prävention, Kunsttherapie ...) 
5. Unterstützung bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt für die Mütter

Olivia Rauscher, Bereichsleiterin für Wirkungsanalysen am Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen und Social Entrepreneurship der WU Wien Foto: Susanne Enzenberger

 

„Das Projekt weist einen vergleichsweise sehr hohen SROI auf“, so Olivia Rauscher, die auch in der Jury des Get Active Social Business Award sitzt und ihre Expertise in die Auswahl und Betreuung der Siegerprojekte einfließen lässt. Berechnet wurden die Jahre 2015 und 2016: „Für Investitionen von rund 371.000 Euro ergeben sich monetarisierte Wirkungen in der Höhe von mehr als 8,2 Millionen Euro. Das ergibt einen SROI-Wert von 22,16.“ Dieser ungewöhnlich hohe Wert resultiere aus dem stark präventiven Charakter des Projekts, da die Betreuung der Familien auch Langzeitauswirkungen auf das spätere Leben der jetzigen Kinder und Babys habe, so die Wissenschafterin. Würde man die langfristigen Wirkungen aus der Analyse eliminieren, käme immer noch ein Wert von 2,63 zustande. „Hieran ist deutlich zu erkennen, welch erheblichen Einfluss die Präventionsarbeit hat“, führt Rauscher aus.   

Doch wer profitiert nun von den positiven Wirkungen am meisten? „Am meisten natürlich die Kinder und Säuglinge, gefolgt von der Stadt Wien und den Sozialversicherungsträgern“, erklärt Rauscher. Grow Together wurde Ende 2012 von Katharina Kruppa, Michael Kruppa und Anna Nostitz, um Familien mit Babys und kleinen Kindern zu unterstützen, die auf Grund von hoher psychosozialer Belastung diese Unterstützung besonders brauchen. „Die SROI-Analyse zeigt, dass das Team von Grow Together auf einem sehr guten Weg ist und die Betreuung der Familien Früchte trägt und über Jahre hinweg wirkt“, fasst Raucher zusammen.     

Get active Social Business Award
Grow Together 
NPO & SE Kompetenzzentrum