Viele Menschen denken, dass Flüchtlinge sich nicht integrieren wollen. Dass sie nicht interessiert sind Deutsch zu lernen, dass sie herkommen weil sie hier von der Mindestsicherung leben können ohne arbeiten gehen zu müssen.

Ein Besuch in der Lernhilfe kann all diese Vorurteile entkräften.

Hierher kommen Kinder, die Familienmitglieder im Krieg verloren haben, die zu Fuss nach Österreich geflohen sind, die Eltern haben, die sich entwurzelt und traumatisiert nach Österreich retten konnten. Diese Kinder spekulieren nicht mit der Sozialhilfe. Sie wollen was erreichen und sie nehmen jede Hilfe an um ihr Deutsch und ihre Schulnoten zu verbessern. Die Lernhilfe gibt es in ganz Österreich. Sie wird von den Gemeinden, Spendern und von Freiwilligen Helfern am Leben erhalten. In ganz Österreich werden knapp 2000 Kinder mit Migrationshintergrund in Lerncafés betreut.

Was genau passiert hier?

Im Lerncafé sind jeden Tag freiwillige Helfer vor Ort die am Nachmittag mit den Kindern Hausaufgaben machen und lernen. Sie geben diesen Kindern eine intensive und zuverlässige Unterstützung für den Schulerfolg.

Kommen die Kinder gerne?

Die Kinder kommen nicht nur freiwillig sondern auch sehr gerne in die Lernhilfe. Und nicht nur weil sie hier Freunde haben, sondern: weil sie wirklich lernen wollen.

„Vor allem für uns Ausländer ist Lernen wichtig.“ sagt uns ein 10-jähriges Mädchen. Ein guter Job sei das wichtigste und dazu musst du gute Noten schreiben. Sie und ihre Freundinnen mögen die Lernhilfe sehr, da sie gute Noten schreiben, seit sie hierherkommen.

Deutsch lernen – in Wort und in Schrift

Vor allem Deutsch lernen sie in der Lernhilfe. Und das in hoher Geschwindigkeit. Schon nach einigen Monaten können sich Kinder gut verständlich machen, die zuvor kein Wort Deutsch konnten.

Manche dieser Kinder besuchten vor ihrer Flucht nach Österreich in ihrem Heimatland keine Schule. Vielleicht gab es keine oder der Krieg machte den Schulbesuch unmöglich. Daher können sie nicht schreiben. Auch nicht in ihrer Muttersprache. Sie müssen sich nun ein ungeheures Pensum an Bildung aneignen.

Aber auch fürs Leben lernt man...

Die Jugendlichen haben aber auch andere Probleme. Nicht nur die Sprache und nicht nur die Erinnerungen an die traumatische Flucht belastet sie. Sie fühlen sich in Österreich oft nicht willkommen. Manche Mitschüler kränken sie, in dem sie sie ausschließen oder anzweifeln, dass sie wirklich aus ihrer Heimat fliehen mussten. Gerechtigkeit ist daher ein wichtiges Wort für sie. Im Gespräch mit ihnen hört man die Frage immer wieder: Was ist gerecht und wie verhält man sich als gerechter Mensch.

Miteinand geht es leichter

Und Freundschaft ist ihnen auch sehr wichtig. Geld bestimme viel weniger das Leben, wie gute Freundschaft, sagen sie. Wenn ein neues Kind ankommt, das kein Deutsch kann und sich verloren fühlt, wird es von den anderen Kindern in der Lernhilfe massiv unterstützt und diese Unterstützung brauchen sie auch sehr. Die Dankbarkeit für die gute Freundschaft schwingt noch Jahre danach unüberhörbar in ihren Erzählungen mit.

Aber hört selbst: In unserem Podcast: „Miteinander Deutsch lernen“, diese Episode mit:

Hildegard Taferner - Leiterin des Lerncafé Leibnitz
Mina, Tritonau und Tamin - Schülerinnen

Wir möchten uns herzlichst bei Patrice Fuchs für das Gespräch bedanken!