Der Weltfrauentag am 8. März kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Entstanden in den Jahren um den Ersten Weltkrieg, steht er für den Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht der Frau. Für uns Anlass genug, mit den beiden Führungskräften Bettina Augeneder und Stephanie Gartner über den Status quo sowie Karrierechancen für Frauen allgemein und bei ihrem Arbeitgeber Coca-Cola HBC Österreich im Speziellen zu sprechen. Beide sind sich einig: Frauen haben alle Möglichkeiten, sie müssen sie nur nutzen.

Geht man durch die Büros von Coca-Cola HBC in Wien, gewinnt man den Eindruck, dass die 50/50-Verteilung zwischen Frauen und Männer hier bereits Realität ist. Dass dies nicht täuscht, bestätigt uns Bettina Augeneder. „Hier in unserem Büro sind manche Bereiche wie Personalwesen, Finanz oder Marketing sehr frauenlastig. Durch unser Produktions- und Logistikzentrum in Edelstal, wo sehr viele Stellen von Männern besetzt sind, liegt der Frauenanteil bei den insgesamt rund 1.000 Kolleginnen und Kollegen jedoch bei 30%. Tendenz aber steigend“, betont die HR-Direktorin. In Edelstal ist auch Stephanie Gartner tätig. Die Burgenländerin führt zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sorgt als Qualitätsprüferin im Bereich Mikrobiologie dafür, dass bei Coca-Cola, Fanta, Römerquelle und Co. alles passt.

Familie, Hobby, Karriere unter einem Hut

Für viele Frauen passen Begriffe wie Familie, Karriere, Work-Life-Balance oder Selbstverwirklichung von vornherein nicht unter einen Hut. „Stimmt nicht“, sind sich beide einig. „Wesentlich ist, dass es einem selbst gut geht“, ist Bettina Augeneder überzeugt und erzählt ihre eigene Geschichte, „wichtig ist dafür ein verständnisvolles Umfeld. Ich habe das Glück, dass mein Mann aus Schweden kommt, wo die Mentalität bezüglich Gleichberechtigung sehr weit fortgeschritten ist und er mich in all meinen Entscheidungen unterstützt hat. Wenn alle zusammenhelfen, der Partner und die Familie und wenn man Betreuungseinrichtungen auch nutzt, schließen Familie und Karriere nicht aus.“ Dass dies aber nicht so „mir nichts, dir nichts“ funktioniert, ist der Personal-Expertin jedoch klar. „Es bedarf sicherlich eines gewissen Organisationstalents, das aber ohnehin für einen erfolgreichen Karriereweg nicht hinderlich ist“, so die WU-Absolventin, die viele Jahre im Ausland gearbeitet hat, bevor sie wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt ist.

Bettina Augeneder, HR-Director bei Coca-Cola Hellenic Österreich.

© Martin Steiger

Teamwork makes the dream work

Immer mehr Entgegenkommen verspürt Augeneder auch seitens der Unternehmen. „Beide Seiten – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – haben mittlerweile erkannt, dass es nicht gut und auch nicht notwendig ist, immer 150 % zu geben“, ist sie überzeugt, räumt aber ein: „Aber nur mit Dienst nach Vorschrift wird es schwer, seinen Karriereweg zu gehen.“ Sie selbst versucht hier als Führungsperson auch Vorbild zu sein. „Wenn ich diese Werte im Unternehmen verbreiten will, muss ich sie auch vorleben. Natürlich kommt es in Hochzeiten vor, dass ich länger im Büro sitze, aber in der Regel ist um spätestens 18:00 Uhr Schluss. Da will ich heim zu meiner Familie.“ Als Unternehmen kommt man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit flexiblen Arbeitszeiten und Home Office-Möglichkeiten entgegen. „Natürlich funktioniert das alles nur mit gegenseitigem Vertrauen. Wenn Arbeiten fristgerecht und gut erledigt werden, ist es egal, ob die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter im Pyjama vor dem Computer sitzt und während Telefonaten den Geschirrspüler aus- oder die Waschmaschine einräumt.“ Wichtig sei dafür, dass man gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen als Team funktioniert. So können Aufgaben, die viel zeitliche Ressourcen beanspruchen, auch leichter bewältigt werden.

Führung – keine Frage des Geschlechts

Bestätigen kann dies Stephanie Gartner, die an ihrer Arbeit vor allem das Teamwork mit ihren Kolleginnen und Kollegen schätzt. Nach ihrem Ernährungswissenschaftsstudium begann sie im Dezember 2014 bei Coca-Cola HBC und klettert dort seither die Karriereleiter hoch. Und das ganz ohne Career Roadmap, wie der Karriereplan im Fachjargon heißt. „Das Unternehmen hat mir immer neue Möglichkeiten geboten, die ich auch gerne angenommen habe“, berichtet die 30-Jährige. „Ich glaube, dass Frauen grundsätzlich mehr Mut haben sollten, neue Aufgaben und Bereiche zu übernehmen. Hier hinken wir Frauen vielleicht etwas hinterher.“ Bettina Augeneder kann dies nur unterstreichen: „Während sich Männer manchmal überschätzen und über Wert verkaufen, ist dies bei Frauen oft das Gegenteil der Fall.“ Den beiden ist aber wichtig zu betonen, dass dies keine Pauschaleinschätzungen sind. Auch hinsichtlich etwaiger Kausalitäten Führungsmentalität und Geschlecht verwehren sich die beiden, in Klischees zu denken. „Männer sind nicht per se nicht dominierend oder Frauen einfühlsam, wenn es darum geht, ihr Team zu führen“, weiß Stephanie Gartner aus eigener Erfahrung. „Der Führungsstil ist eher persönlichkeitsabhängig als geschlechterabhängig.“

"Nehmt euch das Recht heraus, auf euch selbst zu schauen."

Senior Leaderhip Team weiblich dominiert

Ungewöhnlich hoch ist der Anteil von Frauen im Senior Leaderhip Management von Coca-Cola HBC Österreich. Sieben von zehn Positionen sind dort von Frauen besetzt, beginnend vom Marketing über Finanz, Commercial, Kommunikation, Recht, IT und Personal. „Im gesamten Unternehmen sind rund 40% der Führungspositionen von Frauen besetzt und es werden immer mehr. Dabei zählen vor allem die fachlichen Qualifikationen – nicht das Geschlecht“, berichtet Augenender. Nach ihrer österreichweiten Einschätzung befragt, sieht die Oberösterreicherin Nachholbedarf, was die ganz oberen Unternehmensebenen anbelangt. „Auch, wenn es sicherlich mehr gibt, liest man immer nur von einer Hand voll weiblicher Vorstandsvorsitzender oder Aufsichtsrätinnen. Ich bin überzeugt, dass es mehr gibt, aber auch hier gibt es Luft nach oben.“ Augeneder führt dies vor allem auf eine österreichische Eigenart zurück: „In unserem Land funktioniert vieles über Netzwerke und hier stoßen Frauen erst nach und nach in jene Ebenen vor, wo es um solche Positionen geht. Es wird sich also auch in diesem Sektor einiges tun in Zukunft.“

Stephanie Gartner, Qualitätsprüferin im Produktionswerk in Edelstal.

© Martin Steiger

Frauen – traut euch was zu

Sowohl Stephanie Gartner als auch Bettina Augeneder sprechen Mädchen und Frauen mehr Mut zu. „Meine Generation denkt immer weniger in Konventionen und macht das, worauf sie Lust hat. Wir lassen uns von der Gesellschaft immer weniger in Rollenbilder drängen“, betont Gartner. Anderen Frauen legt sie nahe: „Nehmt euch das Recht heraus, auf euch selbst zu schauen.“ Bettina Augeneder ist sich ebenfalls sicher: „Für Frauen ist alles möglich. Viele brauchen aber nach wie vor einen kleinen Schubser.“ Restriktionen in der Gesellschaft – wiewohl noch vorhanden – seien mit ein wenig Mut zu überwinden.

Auf dem Karriereweg ist es für die Personalchefin auch wichtig, mit den sich verändernden Lebensumständen umgehen zu lernen und Prioritäten zu setzen. Dabei spricht sie aus eigener Erfahrung: „Bevor meine Tochter auf die Welt kam, hat es bei mir zuhause ausgesehen wie bei ‚Schöner Wohnen‘. Das geht dann natürlich nicht mehr. Aber man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn einmal ein Berg Wäsche liegen bleibt, der Geschirrspüler nicht ausgeräumt ist und die Wohnung nicht Instagram-tauglich aussieht.“

Wohin sie ihr (nicht vorgezeichneter) Karriereweg führen wird, wissen die beiden nicht. Während Stephanie Gartner weiter offen durch das Berufsleben gehen und dabei alle Chancen ergreifen will, kann sich Bettina Augeneder durchaus wieder eine Position mit internationaler Ausrichtung vorstellen. Wovon sie darüber hinaus träumt, erzählt sie aber gerne. „In der Pension möchte ich Reiseführer schreiben und aus meiner Work-Life-Balance nur mehr eine Life-Balance machen.“