5 Fragen an… Dipl. Ing. Christian Strasser, Geschäftsführer der PET to PET Recycling Österreich GmbH

Wir trinken fast jeden Tag aus ihr, sie ist unser zuverlässiger Begleiter bei der Arbeit, auf der Uni oder beim Sport – die PET-Flasche, leicht und unzerbrechlich. Doch was passiert eigentlich mit ihr, wenn wir sie in den Abfall geworfen haben? Weiterhelfen kann Dipl. Ing. Christian Strasser, Geschäftsführer der PET to PET Recycling Österreich GmbH. Die PET to PET ist ein österreichweit einzigartiges Unternehmen der Firmengruppen Coca-Cola HBC Austria, Radlberger Getränke, Rauch Fruchtsäfte, Spitz und Vöslauer Mineralwasser, das seit mehr als 10 Jahren sicherstellt, dass PET-Flaschen mit Hilfe eines lückenlosen Werkstoffkreislaufs sinnvoll recycelt werden können.

  • Herr Strasser, Sie haben Anfang des Jahres für das vergangene Jubliäumsjahr der PET to PET einen neuen Recycling-Rekord vermeldet – woher kommt dieser tolle Erfolg?

Wir haben vergangenes Jahr 23.300 Tonnen PET Material, das sind 930 Millionen PET-Flaschen recycelt und somit einen neuen Unternehmensrekord aufgestellt. Darauf sind wir natürlich sehr stolz. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: 2017 wurde die neue Erweiterungsstufe der automatischen Flaschensortieranlage in Betrieb genommen. Dank verbesserter Vorreinigung können nun noch mehr angelieferte PET-Flaschen dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden. Zudem kommt seit dem vergangenen Jahr die modernste Sortiertechnologie bei der Prüfung der gewaschenen PET-Flakes zum Einsatz. So werden verlässlich alle Fremdkunststoffe aussortiert. Durch eine stetige Weiterentwicklung der Aufbereitungsanlage in Müllendorf konnte nicht nur die Qualität sondern auch die Verarbeitungsleistung weiter gesteigert werden.

©Foto Andi Bruckner
Christian Strasser, PET to PET Recycling Österreich GmbH

  • Können Sie uns kurz skizzieren, wie aus den alten Flaschen neue Flaschen entstehen?

Nach Begutachtung und händischer Sortierung werden die angelieferten PET-Flaschen in einer Mühle zu Flakes zerkleinert und gewaschen. Danach kommt in Müllendorf das weltweit modernste Verfahren zum Einsatz: Im patentierten URRC-Verfahren werden die Flakes gründlich und wassersparend gereinigt. Heraus kommt Recyclat für neue PET-Flaschen. Da für manche Verarbeitungen Granulat besser geeignet ist, steht eine zweite Verarbeitungslinie, nämlich eine Granulierungsanlage zur Verfügung. Hier wird im Starlinger Verfahren aus den gewaschenen Flakes kugeliges PET-Granulat herstellt. Beide Verfahren – URRC und Starlinger - garantieren lebensmitteltaugliche Recyclat-Qualität als Ausgangsmaterial für die Weiterverarbeitung zu neuen PET-Flaschen.

  • Ausblick 2018: Was können wir dieses Jahr von der PET to PET noch erwarten?

Die technologische Weiterentwicklung der Sensorik ist bei der Sortierung, sowohl in Form der Flasche als auch in Flakeform, der wesentliche Qualitätsfaktor. Laufende Nachrüstung beziehungsweise auch Erneuerung stehen daher hier im Fokus.

Bei unserer Granulierungsanlage ist eine Kapazitätserweiterung unter Ausnutzung bestehender Reserven der Anlage geplant. Gleichzeitig werden technologische Verbesserungen und weitere Prozessoptimierungen umgesetzt.

Darüber hinaus hat das Wohl unserer Mitarbeiter für uns oberste Priorität. Und hier ist gerade der Brandschutz für uns ein wesentliches Thema. Mit vorbeugenden Maßnahmen, wie baulicher Brandabschnittsbildung und thermographischer Lagerplatzüberwachung, werden wir eine frühestmögliche Erkennung von Problemsituationen sicherstellen.

  • James Quincey, CEO der The Coca-Cola Company, hat eine ‚World without Waste‘ ausgerufen – bis 2030 wollen wir genausoviele Verpackungen sammeln und recyclen, wie wir in den Markt bringen. Wie bewerten Sie dieses ambitionierte Ziel?

Auch wenn eine „World without Waste“ aktuell noch mehr Utopie als Zukunftsmusik ist, so sind Ansatz und Zielsetzung doch absolut richtig. Deshalb ist es auch weiterhin wichtig, dass PET-Flaschen nach dem Konsum richtig gesammelt und für ein hochwertiges Bottle to Bottle Recycling zur Verfügung stehen. Mit PET to PET nimmt die österreichische Getränkewirtschaft ihre Verantwortung für die in Verkehr gebrachten Verpackungen wahr. Als Unternehmen leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur Circular Economy, wie sie aktuell von Seiten der EU im Rahmen des Kreislaufwirtschaftspakets zurecht forciert wird.

Im Allgemeinen ist die Nachfrage für Sekundärrohstoff aus PET-Getränkeflaschen sehr hoch, wobei die Getränkeflaschenanwendung lediglich für rund 25 % des weltweit eingesetzten PET verantwortlich zeichnet. Das aus den gesammelten Flaschen hergestellte rPET kann jedoch im Grunde bei allen Anwendungen eingesetzt werden. Hierbei wird das recycelte PET-Material nach Erfassung, Reinigung und Zerkleinerung geschmolzen und zu einer Faser oder Folie verarbeitet. Genügend Potential und Einsatzmöglichkeiten sind also vorhanden. Jetzt müssen wir diese bestmöglich nutzen!

  • Frage zum Schluss: Was ist Ihr Lieblingsgetränk von Coca-Cola?

Coke Zero – weil es mir am besten schmeckt!

PET2PET
Moderne Sortiermaschinen steigern die Leistung der Anlage in Müllendorf.