Jedes Jahr schalten Millionen Zuseher bei großen internationalen E-Sport- und Gaming-Events auf populären Streaming-Plattformen, wie Twitch oder YouTube, ein um Ihre Lieblingsteams und -spieler anzufeuern. Was manche im ersten Moment stutzig werden lässt, ist für viele schon fixer Bestandteil ihres Lebens geworden und ersetzt oft das klassische Fernsehen.

Der internationale E-Sports Hype

Kompetitives Gaming ist bei weitem nichts neues. Angefangen mit kleinen LAN-Parties mit Freunden hat die Videospiel-Branche recht schnell erkannt, dass Spieler sich gerne miteinander messen und daraus entstanden gigantische LANs, wie z.B. die Dreamhack, auf der Hunderte von Gaming-Begeisterte teilnehmen und auch in Turnieren ihr Können unter Beweis stellen. In den Anfängen waren diese E-Sports Turniere meistens aber noch auf lokales Publikum beschränkt, da es die notwendigen Technologien noch nicht gab.

Das erste große Event, auf dem ein Computerspiel wettkampfmäßig gespielt wurde, fand 1980 statt: Im Zuge der Space Invaders Championship – damals eines der populärsten Videospiele überhaupt – traten ca. 10.000 Spieler gegeneinander an. Mit dem Siegeszug des Internets in den 90ern formierten sich die ersten internationalen E-Sport-Events, rund um die Videospiele-Klassiker Quake, Starcraft und Counter Strike, die auch heute noch zum Teil ein Publikumsmagnet auf den weltgrößten E-Sport-Veranstaltungen und LANs sind.

Der wohl größte Wendepunkt der die Popularität von E-Sports auf der ganzen Welt erst möglich gemacht hat, waren die Entwicklungen rund um Twitch (zu Beginn noch JustinTV genannt), die diese Turniere einem breiten Publikum zugänglich gemacht haben. Damit war der Grundstein für den Hype um E-Sports, professionelle GamerInnen und dem Millardenmarkt, zu dem sich E-Sports bereits entwickelt hat, gelegt.

Die Motivation, anderen Leuten beim Computerspielen zuzusehen und mit den absolut besten E-SportlerInnen in Turnieren mitzufiebern ist genauso, wie wenn man den besten SportlerInnen bei Wettkämpfen zusieht und Leidenschaft für eine klassische Sportart entwickelt. Hier geht es nicht darum, ob E-Sport ein Sport im klassischen Sinn ist, sondern in erster Linie um den Unterhaltungsfaktor und die Interessen der Community.

Die österreichische E-Sports Community boomt

Laut einer Studie des ÖVUS aus dem Jahr 2017 hat zu dem Zeitpunkt fast jede/r zweite ÖsterreicherIn  schon Videospiele gespielt, von simplen Zeitvertreibern am Smartphone bis hin zu umfangreichen und kompetitiven E-Sport-Titeln. Damit ist Gaming für etwa die Hälfte der ÖsterreicherInnen Alltag und eines ihrer liebsten Hobbys. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass sich hier eine florierende E-Sports Community etabliert hat und gerade in den letzten Jahren einen massiven Aufschwung erlebt.

Mittlerweile kommt man auch in Österreich im öffentlichen Diskur nicht mehr um das Thema E-Sport herum. Angefangen von der Game City in Wien, bis hin zu den ersten großen heimischen E-Sport-Ligen, wie dem Coca-Cola eCup, zieht dieses relativ neue Phänomen auch hierzulande tausende begeisterte Fans an.

Die Grundlage für den Erfolg bilden dabei die heimischen E-Sport Vereine und ihre Spieler unter dem Dach des E-Sport Verbands Österreich, die junge Talente fördern und mit professionellen Strukturen dafür sorgen, dass sich E-Sport in Österreich nachhaltig entwickeln kann. Diese arbeiten eng mit Eventveranstaltern zusammen um allen - Fans und professionellen Gamern zugleich - das beste Erlebnis zu garantieren.

Was brauchen professionelle E-Sportler?

Genauso wie Top-SportlerInnen müssen professionelle Gamer in ihrer Disziplin die Fähigkeiten haben, ganz oben an der Spitze mitspielen zu können. Dabei braucht es eine große Menge an analytischer Denkfähigkeit, Reaktionsfähigkeit und kreativer Lösungsfindung. Die gesamte Infrastruktur, die ein erfolgreiches E-Sport Team heutzutage braucht, lehnt sich dabei sehr stark an die des klassischen Sports an. Ein professionelles E-Sport-Team setzt sich normalerweise aus folgenden Positionen / Aspekten zusammen:

  • Die Brand, die Teambesitzer oder Organisationen sind die Kernstruktur, rund um die sich E-Sport-Teams bilden. Im professionellen Bereich sind das in der Regel wirtschaftlich orientiere Unternehmen, wie z.B. G2 E-Sports, Fnatic oder Team Solo Mid, die vor allem durch Werbeverträge und Merchandise Umsatz generieren. Im Amateur-E-Sport übernehmen meist Vereine diese Aufgabe, wobei diese vor allem Sachspenden von Partnern erhalten und neben den Preisgeldern (noch) kaum Geld verdienen.
  • Coaches kümmern sich um die Trainingspläne der Spieler, entwickeln Strategien für Turniere und stärken die Zusammenarbeit der Spieler als Team und stimmen die Taktiken auf die Stärken und Schwächen der Spieler ab – ganz genauso, wie ein Trainer z.B. im Fußball.
  • Analysten bereiten die Games und vergangenen Spiele der Teams in Zahlen, Daten und Fakten auf. Diese statistischen Auswertungen werden in die Trainingspläne integriert und zur Verbesserung der eigenen Taktiken eingesetzt, z. B.: Wieviel Schaden machen bestimmte Fähigkeiten und wie setzt man sie optimal ein? Welche Gegenstände geben den Spielercharakteren zu welchem Zeitpunkt im Spiel die größten Vorteile? Welche Kombination von verschiedenen Charakteren im Spiel hat insgesamt die größten Gewinnchancen?
  • Teammanager verwalten alle organisatorischen Aspekte für die E-Sport-Teams, angefangen von den Bedürfnissen der einzelnen Spielern, über Reisebuchungen und Visas, bis hin zur Verpflichtung neuer Spieler.
  • Ganz nach dem Motto „In einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist“ wird immer mehr auf die körperliche Gesundheit der E-Sportler geachtet und Fitness Coaches entwickeln spezielle Trainingspläne, die ganz auf die Bedürfnisse und Anforderungen der digitalen Sportler abgestimmt sind. Darüber werden wir im nächsten Artikel mehr berichten.