Das mit dem Angreifen ist allerdings nur sinnbildlich gesprochen, da das Berühren der Trophäe nur Staatsoberhäuptern und den ganz Großen des Fußballs, und zwar den Weltmeistern, vorbehalten ist. Nicht einmal der für uns weltmeisterliche Herbert Prohaska darf sein Hände auf den Pokal legen. Demnach auch nicht die tausenden Fans, die den Stopp der Coca-Cola FIFA World Cup™ Trophy Tour beim Wiener Rathaus besucht haben.

Text: Matthias Stelzmüller

Zu Schneckerls und der Fußballfans großem Bedauern. Aber genau das ist auch die Besonderheit an dieser Fan-Experience, denn im Rathaus bei der Coca-Cola FIFA World Cup™ Trophy Tour hatten alle Besucher etwas mit Herbert Prohaska, Didi Kühbauer, Andi Ogris und Co. gemeinsam. Und zwar, dass sie zum ersten Mal bis auf wenige Zentimeter an die Trophäe herankamen.

Zabivaka, das offizielle Maskottchen der FIFA WM 2018™ durfte natürlich auch nicht fehlen.

Wenn man für ein paar Sekunden den Ruhm spüren kann, den schon so viele Superstars erleben durften, wird alles andere nebensächlich. Man muss sich erst mal vorstellen, was es bedeutet, dass jeder Weltmeister die über 6 Kilogramm schwere Trophäe in der Hand hatte, und sonst, bis auf ein paar Staatschefs, einfach absolut niemand. Berührt einzig und allein durch Legenden wie Thomas Müller, Miroslav Klose, Fernando Torres, David Villa oder Carles Puyol. Das sind zumindest die Spieler, die den jüngeren Besuchern ins Gedächtnis eingebrannt sind, doch die waren nicht die einzigen, die sich in den Warteschlangen der Trophy Tour einreihten, um WM Luft zu inhalieren.

Ausstellung über die Geschichte der FIFA Weltmeisterschaft™

Zwei Best Ager meinten: „Uns hat es wirklich gut gefallen – bis auf die Stunde draußen anstellen, aber das war es im Endeffekt allemal wert. Ich bin nicht unbedingt das, was man einen Fußballfanatiker nennen würde, aber wenn es die Chance auf so ein Ereignis gibt, dann nimmt man sie gerne wahr.  Die Ausstellung mit den chronologisch gereihten Großereignissen ist wirklich gut gelungen.“

Eine kleine Zeitreise durch die Fußball-Weltmeisterschaften.

So gab es für sicher jeden einen WM-Moment, der ganz besonders im Gedächtnis hängen geblieben war und hier bei der Coke-Experience wieder in Erinnerung gerufen wurde. „Ich will jetzt nichts Falsches sagen, aber es gab doch eine WM mit einem Spiel, bei dem es hieß, dass der Schiedsrichter Deutschland betrogen hätte. Das muss in den 70ern gewesen sein. Ich glaube, ein Spiel gegen England! Die Erinnerung kam hier beim Durchgehen wieder hoch“, so ein Besucher.

Geteiltes Fieber ist doppeltes Fieber

Ist das nicht einfach nur geil, wenn Kids, für die Ronaldo und Messi quasi die einzigen Topstars, sind neben Senioren stehen, die sich an Spiele in den 70ern zurückerinnern, die aber alle die gleiche Leidenschaft teilen und fieberhaft darauf warten, einmal in die Nähe der Trophy zu kommen?

Bevor die Besucher ihren großen Auftritt mit dem Pokal hatten, wurden sie in der Spielerkabine noch einmal darauf vorbereitet.

Doch auch beim Warten wurde den Besuchern nicht langweilig, denn neben einer mitreißenden Moderation und Österreich-Fansprechchören konnte man beim Anstellen in der Ausstellung, im Spielertunnel oder der nachgeahmten Garderobe schon mal WM-Feeling pur tanken. Den exklusiven Sprachkurs „Russisch für Fußballfans“ gab es dann noch mit Russkaja Sänger und Frontman Georgij Alexandrowitsch Makazaria oben drauf. Der ein oder andere konnte nach 20 Minuten im Spielertunnel bereits seine Telefonnummer auf Russisch wiedergeben. Auf gut Deutsch also gscheiter geworden durch Anstellen – hat man auch nicht alle Tage!

Rot-weiß-rote Fans mit viel Optimismus

Die Coke-Experience lässt so manchen sogar davon träumen, dass die österreichische Nationalmannschaft die Trophäe nach Hause bringt. „Die Hoffnung, dass Österreich den Pokal einmal spielerisch ins Land holt, lebt, beziehungsweise stirbt ja bekanntlich zuletzt (lacht), aber an Tagen wie diesen wird der Optimismus auf jeden Fall größer“, so ein hoffnungsvoller rot-weiß-roter Fan.

Die Fans erlebten auch eine Motivationsansprache von Teamchef Franco Foda.

Das hören bestimmt auch die Kicker gerne, dass man ihnen so eine Großtat zutraut, um sich ebenfalls in die Annalen eintragen zu können und eines Tages selbst die Hände auf den Pokal zu legen. Vor allem aber die nächsten Fußballergenerationen könnten aus dieser Veranstaltung eines Tages Profit schlagen. Am besten verdeutlicht das wohl ein Gesprächsausschnitt von einem Vater mit seinem sechsjährigen Sohn:

Wie hat es euch beiden gefallen?

Sohn: „Cool.“ (Anm.: Ein Wort und der breite Grinser reichen vollkommen aus.)

Vater: „Es weckt auf jeden Fall Erinnerungen. Ich schau und spiel seit meiner Kindheit, und mein Sohn ist erst sechs Jahre alt, spielt aber trotzdem schon seit zwei Jahren im Verein. Er hat schon gesagt, dass er irgendwann mal mit Österreich gewinnen will! Seinen Vornamen Adriano müsst ihr euch also auf jeden Fall merken!“

Den Alaba hast du auch schon gesehen, Adriano?

„Nein, nur sein Trikot. Aber ich hoff ich seh ihn noch!“

Ist für dich die Motivation jetzt noch größer, mehr zu trainieren?

„Voll, gestern hab ich sieben Tore geschossen!“

Wenn das mit den Toren so weitergeht, dann könnte es in Zukunft wirklich gut für uns ausschauen, die FIFA-Trophy™ erneut nach Österreich zu holen. Alles in allem war es für die Besucher, egal ob Promi oder Fan, eine einmalige Erfahrung, die man so schnell nicht wieder vergessen wird. Spätestens bei der WM in Russland wird dem einen oder anderen Besucher der Coke-Experience ein russischer Torjubel auskommen. Wir können es kaum erwarten!

Alle Fotos: Andi Bruckner