Dr. Peter Vandor ist seit vielen Jahren eine zentrale Persönlichkeit des Get active Social Business Award: als Mitbegründer des Social Entrepreneurship Center und Bereichsleiter am Kompetenzzentrum für Nonprofit Organisationen an der Wirtschaftsuniversität Wien sowie Gründer des Social Impact Awards, bringt er langjährige Erfahrung und Expertise in das Team rund um den GASBA.

Vor wenigen Wochen war Peter Vandor mit dabei beim Coaching-Wochenende in Stegersbach und hat die Teilnehmer in die Wirkungsmessung sozialer Unternehmen eingeführt - denn soziale Unternehmen messen ihren Erfolg nicht am Umsatz sondern an feinen aber ausschlaggebenden gesellschaftlichen Änderungen.

Wir durften Ihm einige Fragen zu seiner Arbeit und seinem Leben stellen.

Sie sind seit Ende der 90er mit Bands wie „Guantanamo“ oder „Er ist tot, Jim“ musikalisch aktiv. Welche/n österreichische/n KünstlerIn hören Sie zur Zeit am liebsten?

Da gibt es einige. Ein aktueller Favorit ist Cid Rim. Der bringt alleine am Schlagzeug noch mit gegipsten Fuß mehr Energie rüber als Wanda und Bilderbuch zusammen, und dabei machen die schon ordentlich Spaß. Aber derzeit laufen auch die Heurigenlieder von Qualtinger und Heller auf meiner Playlist. Giftig und großartig.

Wie schätzen Sie Österreich aktuell als Standort für soziale Unternehmen ein?

In den Grundlagen gut. Zivilgesellschaftliche Akteure können sich frei bewegen und es gibt Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren. Wir forschen viel in Zentral- und Osteuropa, da sieht man das leider nicht immer als selbstverständlich an. In den letzten Jahren hat sich in Österreich auch ein ganz spannendes Ökosystem von Sozialunternehmern, Unterstützern, Intermediären usw. herausgebildet, da ist viel Dynamik drin.

Im internationalen Vergleich steht Österreich dennoch ziemlich traurig da. In einem Reuters-Ranking der attraktivsten Standardorte für soziale Unternehmen hat Österreich den 36. Platz belegt. Aus 45 Ländern. Bei aller Hinterfragbarkeit von Rankings ist das nicht unbedingt ein Zeugnis österreichischer Großartigkeit. Im Vergleich mit Deutschland und der Schweiz kann man gemeinnützige Stiftungen, nicht zuletzt wegen des Gesetzrahmens, mit der Lupe suchen. Für die Organisationen selbst ist der Rechtsrahmen auch nicht ideal. Wer etwas komplizierteres gründen will als einen Verein, bewegt sich derzeit schnell in einem Feld, in dem sich auch die Anwälte nicht mehr auskennen.

Von was gibt es zu wenig in unserem Land?

Ich glaube es ist genug von allem da: Geld, Ideen, gute Intentionen. Die Frage ist, wie wir damit umgehen und es allen zugänglich machen.

Sie sind seit über zehn Jahren im Social Business Bereich tätig: auf welches Projekt, an dem sie in der Vergangenheit mitgewirkt haben, sind sie besonders stolz?

Ich habe 2008 an der WU ein Bildungsprogramm für junge Sozialunternehmer gestartet, den Social Impact Award. Der Social Impact Award ist mittlerweile ausgegründet und mit tollen Partnern wie dem Impact Hub Wien in 20 Ländern aktiv. Wir erreichen jährlich über 6,000 angehende soziale UnternehmerInnen in 20 Ländern. Das passiert niederschwellig in kleinen Workshops, ohne Jargon, ohne Kosten für die Teilnehmer, von lokalen Experten geleitet. Da entstehen unglaublich tolle Sachen. Unser Partner SINA in Uganda hat beispielsweise vor einigen Wochen in einem der größten Flüchtlingscamps der Welt Workshops durchgeführt. Sowas ist ein riesiger Ansporn.

Welche drei Eigenschaften muss ein Gründer eines sozialen Unternehmens mit sich bringen?

Es gibt viel Forschung zu „Erfolgspersönlichkeiten“ bei Gründern. Da fallen meist Begriffe wie Extraversion, Risikobereitschaft, Innovativität. Die Zusammenhänge mit Gründungsneigung und Erfolg sind aber meistens eher schwach, insofern ist das alles mit Vorsicht zu genießen. Es gibt auch sehr erfolgreiche introvertierte und risikoaverse Gründer im Sozialbereich, da darf man sich als Gründer nicht von solchen Listen abschrecken lassen. Authentisches Interesse und Motivation für die Sache und die Zielgruppe sollte man aber jedenfalls mitbringen.

Wen würden Sie gerne einmal persönlich kennenlernen?

Mit Helmut Qualtinger auf ein Bier gehen wäre großartig, aber da bin ich spät dran. Mit Josef Hader würde es sich aber noch ausgehen.

In welchen sozialen Bereichen sehen Sie noch Nachholbedarf für UnternehmerInnen in Österreich?

Unternehmen sollten ihr soziales Engagement ganz generell ausbauen, nicht zuletzt aus Eigeninteresse. Studien zeigen, dass Organisationen mit klarer sozialer Mission mehr und bessere Jobbewerber erhalten. Mit Greenwashing ist aber niemanden geholfen. Wenn das Soziale nur simuliert wird merkt das die eigene Belegschaft und Partner schnell. Im besseren Fall mündet das Engagement von Unternehmen in substantielle Partnerschaften mit sozialen Unternehmen und NGO's. Da lernen dann beide Seiten etwas davon und es wird professionell gearbeitet. Wir haben dazu letztes Jahr einige good practices in Österreich recherchiert, wie sowas aussehen kann.