Herbert Prohaska hat in seiner Fußballerkarriere alles erreicht, was man erreichen kann. Dieses Statement würden vermutlich die meisten unterschreiben, doch er selbst sieht das anders, denn das Berühren, Küssen und Hochstemmen der WM-Trophäe blieb ihm verwehrt – auch bei der Coca-Cola Weihnachtstruck Tour in Wien.

Text: Matthias Stelzmüller

Sollte Schneckerl in den nächsten Jahren nicht doch noch Bundespräsident werden, dann bleibt es auch dabei, denn die FIFA World Cup Trophy dürfen nur Weltmeister und Staatsoberhäupter berühren. Dass Herbert Prohaska unerlaubterweise am liebsten die Vitrine geöffnet hätte, sah man ihm nicht nur an, er machte auch kein Hehl daraus. Neben Prohaska hat sich am vergangenen Wochenende die nationale Fußballprominenz im Rathaus zusammengefunden, um hautnah an den Pokal zu kommen. Gleichzeitig bot sich damit für die Fans das besondere Highlight, mit ihren Idolen wie Didi Kühbauer, Andi Ogris, Ivica Vastic, David Alba und Co. auf Tuchfühlung zu gehen.

David Alabas Visionen und Ziele

Vor allem David Alaba war an diesem Tag die große Überraschung. Ob er ebenfalls die Zeit gefunden hat, sich mit dem Pokal ablichten zu lassen? "Ich habe bisher noch gar nicht so viel mitbekommen, weil ich ein Interview nach dem anderen gebe, aber das Foto mit dem Pokal habe ich gleich zu Beginn gemacht. Wenn man so nahe daneben steht, kitzelt es schon ordentlich in den Fingern! Die Trophy mal bei einer WM zu holen, wäre natürlich ein Traum, aber man muss realistisch blieben. Meine Vision und das Ziel unseres Teams ist, beim WM-Turnier dabei zu sein.“

Ehemalige und aktuelle Top-Fußballer beim Scherzen: Christian Karembeu, Herbert Prohaska und David Alaba.

Andi Bruckner

Im Vergleich zu David Alaba kamen bei Herbert Prohaska gleich echte WM-Erinnerungen hoch, durfte er ja zwei Weltmeisterschaften live miterleben. „Wenn man durch die Ausstellung marschiert, werden in kürzester Zeit so viele Erinnerung geweckt. Die beiden Weltmeisterschaften, bei denen ich dabei war, bei einer als Spieler und bei einer als Trainer, ragen da natürlich ganz besonders heraus. Ich erinnere mich vor allem gern an die Zeit als Spieler bei der WM zurück, weil es in der Position des Trainers doch nochmal um ein Eck stressiger war.“

Legenden wie Kühbauer, Vastic, Haas, Prohaska oder Ogris waren dem WM-Pokal und auch Weltmeister Karembeu sehr nah.

Andi Bruckner



Didi Kühbauer war besonders gut aufgelegt und konnte sich den einen oder anderen Scherz zur Rede von Herbert Prohaska im Gespräch mit uns nicht verkneifen. „Eine Sache hat Herbert Prohaska vergessen zu erwähnen: Wir hatten 1998 bei der WM nur ein Problem - und das war der Trainer (Anm.: Herbert Prohaska), da hätten wir nämlich die Chance gehabt (lacht). Spaß beiseite, wenn ich an die aktive Zeit zurückdenke, dann war der Herbert einer meiner Lieblingstrainer. An der Trophäe war ich leider noch nie so nah dran wie heute, und ich würde sie auch gern berühren, aber nachdem die Sicherheitsvorkehrungen so streng sind, hat man keine Chance.

Große Eifersucht auf Weltmeister Christian Karembeu

Und so kam es, dass an diesem Abend alle ein bisschen eifersüchtig auf Christian Karembeu, den eingeflogenen Stargast aus Frankreich, waren, der als einziger Weltmeister (mit Frankreich 1998) an diesem Abend die Ehre hatte, die WM-Trophy zu berühren. Eine Selbstverständlichkeit ist es für ihn aber auch heute noch nicht. „Wenn ich hier durch die Ausstellung laufe, dann bekomme ich noch immer Gänsehaut. Es erinnert mich nicht nur an die Zeit als Spieler, sondern auch an meine Kindheit, als ich davon geträumt habe, einmal auf der großen Bühne des Fußballs zu spielen. Dass ich die Trophäe dann später einmal selbst hochstemmen durfte, ist ein wahr gewordener Traum, den sicher viele in sich tragen.“

"Ich erinnere mich vor allem gern an die Zeit als Spieler bei der WM zurück, weil es in der Position des Trainers doch nochmal um ein Eck stressiger war."
Herbert Prohaska zu seinen Erinnerungen an die Fußball-Weltmeisterschaften 1978, 1982 und 1998

Er gehört zu den Wenigen, die dieses Gefühl erleben durften - er weiß aber auch ganz genau, was dazu gehört und was man braucht, um in solche Sphären aufzusteigen. „Es war natürlich eine große Ehre, von Neukaledonien aufs französische Festland einberufen zu werden, um die Profi-Karriere anzugehen, aber es war auch eine sehr harte Zeit. Man muss sich an die verschiedensten Kulturen anpassen und hat viele Hindernisse vor sich. Aber was über allem steht: man muss sich jeden Tag aufs Neue herausfordern, verbessern und teilweise enorm große Opfer bringen. Das Gefühl der Zufriedenheit, wenn man es dann schafft, ist dadurch umso größer.“

All diese Faktoren machen auch die Coca-Cola Fan Experience zu keiner Selbstverständlichkeit. Kühbauer: „Dass wir die Trophäe überhaupt nach Österreich zum Bestaunen bekommen haben, ist schon eine tolle Geschichte. Für junge Sportler bedeutet das sehr viel, das darf man nicht vergessen. Jeder, der Fußball spielt, träumt davon die Trophy in die Höhe zu stemmen.  Wenn du nicht zu den wenigen gehörst, denen das vergönnt ist, dann kannst du hier und heute zumindest daneben stehen und dich damit fotografieren lassen.“

Didi Kühbauer und die WM-Trophy.

Andi Bruckner

Somit lässt die Coke-Experience darauf hoffen, dass viele der Kids, die heute hier waren, auch zum Fußball finden und vielleicht bald selbst die Chance ergreifen, die Trophäe in die Höhe zu stemmen. Dass so ein Ereignis etwas Großes auslösen kann, das weiß auch George Alaba, der Vater von David. „Das ist so eine große Motivation, die man hier bekommt. Wenn man so nahe an so eine Trophäe herankommt, dann will man sie einfach angreifen. Meiner Meinung nach können wir das schaffen. Man darf niemals nie sagen. Im Fußball ist alles möglich!“