2016 hat Michael Graner sein Projekt Eigenbrot beim Get active Social Business Award eingereicht und damit den zweiten Platz gemacht. Wir waren ein Jahr später vor Ort um uns mit ihm zu unterhalten und das Projekt aus nächster Nähe zu sehen.

Michael, was hat sich die letzten Monate bei euch alles getan?

„Gleich vorneweg möchte ich sagen, dass der Markennamen Eigenbrot mittlerweile in das Mutterprojekt der Lebensmittelverarbeitung aufgegangen ist, einem klassischen sozialökonomischen Betrieb, der vom Europäischen Sozialfonds finanziert wird. Das Projekt Eigenbrot, dass wir damals beim GASBA 2016 eingereicht haben, war als Folgeprojekt gedacht, um Leuten, die sich im Mutterprojekt bewährt haben aber keinen Platz bekommen haben, eine Chance zu geben weiter zu arbeiten. Im Mutterprojekt wird der Name Eigenbrot jetzt für alles was mit der Lebensmittelverarbeitung zu tun hat, genutzt. Unser damals eingereichtes Projekt heißt jetzt „Café im Leo“. Mittlerweile haben dort ehemalige Teilnehmer vom Mutterprojekt eine Tätigkeit gefunden und sind auch schon zu Arbeitgebern aufgestiegen."

Was konntest du vom Get active Social Business Award mitnehmen?

"Was sehr gut war, und ich habe jetzt schon zum dritten Mal mit unterschiedlichen Projekten beim Get active Social Business Award mitgemacht, war die Vorbereitung und die Ausformulierung der Projekte. Dass Coaching das dabei ist, ist einfach großartig und man wird sich viel bewusster, was die nächsten Schritte sein müssen. Und egal ob man dann was gewinnt oder nicht gewinnt, da hat man auf jeden Fall was davon.“

Was wünschst du dir für die Entwicklung des Projektes? 

„Dass die Idee prosperiert! Wir sind gerade dabei, Indoor-Räumlichkeiten anzumelden, da gehört eine Menge dazu. Und sobald uns das gelungen ist, können wir mehr Teilnehmer dazu einladen hier mitzumachen, weil wir dann auch im Winter offen haben können.“

Wenn du den diesjährigen Teilnehmern einen Rat geben könntest, welcher wäre das?

"Es ist in jedem Projekt sicherlich anders aber es wird auf jeden Fall immer zu Situationen kommen, mit denen man nicht gerechnet hat. Das einzige was ich wirklich mitgeben kann, ist dieses "Niemals aufgeben", denn es findet sich immer ein Weg und alles wird gut."

In dem knapp 500qm großen Gewächshaus sind 16 Jugendliche mit Arbeiten beschäftigt.

"Ich habe den schönsten Arbeitsplatz der Welt."

Nach einem kurzen Gespräch geht es auf den Gemeinschaftsbauernhof, die „Kleine Stadtfarm“, einem Verbund aus 14 Initiativen von welcher eine die Lebensmittelverarbeitung „Eigenbrot“ ist. Die erste Station ist die Vorkultur in einem 500 Quadratmeter großen Gewächshaus, in welchem 16 Jugendliche gearbeitet haben, damit die Märkte beliefert werden können. Und die Arbeit auf dem Hof ist keine leichte, denn auf Nachhaltigkeit wird größten Wert gelegt, daher wird alles ohne die Hilfe von Maschinen gemacht.

Weiter hinten auf dem Hof sind weitere Projekte, zum Beispiel die Schule am Bauernhof. Hier werden Schulklassen dazu eingeladen in Kontakt mit der Natur zu kommen: „Da wird den Kindern gezeigt, dass die Karotte unter der Erde wächst und die Kuh nicht Lila ist“, erklärt Michael. Auch Tiere gibt es auf dem Hof, unter Anderem Schafe, Alpakas und Lamas aber auch Therapiepferde speziell für Kinder mit ADHS oder anderen Verhaltensschwierigkeiten.

Die schießen wie Pilze aus dem Boden

Es geht weiter über das Gelände, vorbei an kleinen Gemüsebeeten und gerade aus auf einen Schuppen zu. Auf dem Weg erzählt Michael, dass hier mittlerweile ganzjährig geerntet werden kann, zum Beispiel der Vogerlsalat der sowieso nur im Winter wächst. Beim Schuppen angekommen betreten wir einen Raum im Raum, der mit schwarzen Säcken die von den Wänden hängen gefüllt ist. „Hier produzieren wir Austernpilze in einer Kreislaufwirtschaft. In den Säcken ist eigentlich Müll, nämlich Kaffeesud aus Wiener Kaffeehäusern.“ Diese Methode der Pilzzucht wurde von der Wiener Firma Hut & Stiel eingeführt, mit denen Michael zusammen arbeitet. Durch das schnelle Wachstum der Pilze ist ein Ertrag von rund 50 Kilogramm die Woche möglich, und nach der Ernte wird der Inhalt der Säcke kompostiert, um so wieder in den Kreislauf zurück geführt zu werden.

Dank dem nahrhaften Kaffeesud wachsen die Austernpilze äußerst schnell.

Gemüse aus dem Container

Fast ein Drittel der auf dem Hof beschäftigen Leute ist auch in der Gastronomie tätig, wo sie Service oder Küchenarbeit lernen. Und an der Straße vor dem Hof, etwa 50 Meter vom Eingangstor entfernt steht der „12qm Stadtbauernladen“, wo die eigenen Produkte und ein paar Handelsprodukte verkauft werden und die Mitarbeiter gleichzeitig in den Einzelhandel eingeschult werden. Der Name rührt aus der tatsächlichen Größe des Ladens, der eigentlich ein geteilter Schiffscontainer ist. Durch die Lage am oberen Ende des Gemüsefeldes muss der Spargel nicht mal über die Straße um in den Laden zu kommen. Da vergisst man schnell, dass man immer noch in einer Millionenstadt ist.

Der Weg zum Feld

"Die kleine Stadtfarm" hat einen Großteil des 5 Hektar großen Geländes von der Stadt Wien gepachtet und auf dem Feld sind unzählige Initiativen ökologisch und sozial tätig. Angebaut wird durch die Bank alles was man kennt, aber auch etwas exotischere Sorten wie etwa Bittermelone oder Topinambur. Das funktioniert sehr gut, denn durch die unterschiedlichen Nationalitäten der fast 150 Feldarbeiter bringt jeder etwas an Erfahrung mit.

Wir sind die einzigen Bauern, die mit der U-Bahn auf das Feld fahren.


Am Ende des Feldes gelangen wir zu Michaels Mutterprojekt, dem Verein „Operation grüner Daumen“: „Wir hatten vorher schon einige Projekte in der ganzen Stadt, sind dann aber umgesiedelt weil ein Hochbeet nie den Mutterboden ersetzen kann, besonders wenn man Selbstversorgung betreiben will.“ Auf den Feldern sind die meisten am Wochenende beschäftigt, da sie unter der Woche arbeiten müssen. Doch die, die wirtschaftlich tätig sind sind öfters da, die Tierhalter sowieso jeden Tag.

Eine der über 10.000 Erdbeerpflanzen auf dem Feld.

Wie sich der Kreis schließt

Und weil hier wirklich auf jedes Detail geachtet wird, finden sich am äußeren Rand des Feldes auch Bienenstöcke, von welchen aus die Bienen nicht weit zu naturbelassenen Streifen haben, die das meiste Jahr über blühen. Auch Obstbäume werden auf der eigenen Baumschule großgezogen, diese stehen in angenehmer Nähe zu den Insekten, damit diese sich auch an deren Blüten erfreuen können. Und zu guter Letzt schließt sich am Ende des Feldes nicht nur der ökologische Kreislauf sonder auch der unserer kleinen Tour, denn vor dem hinteren Tor liegt der große Haufen Kaffeesud, den wir zuvor noch in den schwarzen Säcken in der kleinen Hütte gesehen haben.

Es ist ein erstaunliches rundum Packet, das auf der kleinen Stadtfarm wunderbar funktioniert. Michael trägt mit seinen Initiativen einen großen Teil für das Wohl der Menschen auf dem Hof und den Feldern aber auch für die Anrainer bei, die sich an den Ergebnissen der intensiven Feldarbeit freuen können und das ganze Jahr über mit besten biologischen Lebensmitteln verwöhnt werden. Wir wünschen allen für die Zukunft alles Gute und hoffen, dass wir auch dieses Jahr wieder so spannende Projekte zu sehen bekommen!

Der Mann hinter dem Projekt "Eigenbrot" - Michael Graner