In voller Pracht stehen Karl Mayrs Zuckerrüben, versteckt unter fleischigen, tiefgrünen Blättern. Momente vor Erntebeginn treffen wir den Landwirt bei prächtigem Herbstwetter auf seinen Feldern in der Nähe von Tulln. Wir lassen uns von Karl Mayr erklären, was sein Erfolgsrezept für die erstklassige Verarbeitung von Zuckerrüben ist. Im Abfüllwerk von Coca-Cola in Edelstal sorgt der aus Rüben gewonnene Zucker dann für süßen Geschmack.  

Verarbeitung von Zuckerrüben: „Ist halt nicht so einfach mit dem Zucker“

Bauer und Rübe verfolgen ein gemeinsames Ziel, nämlich viel Zucker zu produzieren. Damit das gelingt, sind verschiedene Dinge von Bedeutung, etwa eine gesunde Fruchtfolge, also Rüben nur alle fünf bis sechs Jahre anzubauen. Das richtige Saatgut spielt für die Zuckerherstellung auch eine Rolle. Besonders wichtig, aber nicht beeinflussbar, ist auch die Witterung: Optimal für die Zuckerrübe ist es, wenn der Frühling etwas kälter ist, der Sommer warm und es die richtige Menge Niederschlag zum richtigen Zeitpunkt gibt. „Wichtig ist der Herbst mit warmen Tagen und kalten Nächten, damit optimal Zucker in die Rübe eingelagert wird. Das ist das Wichtigste“, erklärt Mayr.

Gesät wird im Frühjahr und damit beginnt die laufende Pflege der Pflanzen. Sonnenlicht und CO2 setzen in den Blättern der Pflanze einen Prozess frei, der als Photosynthese bezeichnet wird. Einerseits erzeugt die Pflanze Sauerstoff, der an die Umgebung abgegeben wird und andererseits Saccharose, die wir in der Umgangssprache als Zucker bezeichnen.

Zuckerherstellung: Für ein Kilo Zucker brauchen wir rund sieben Kilo Rübe

2018 herrschten leider nicht die besten Bedingungen für von Zucker strotzende Rüben. Ein kühler Frühling ist eigentlich Voraussetzung für ein gesundes Wachstum: „Wenn es nach der Aussaat im März nicht zu kalt aber auch nicht zu warm ist, entwickeln sich die Blätter schnell – sie schlagen aus – und die Rübe kann rasch mit Bildung von kräftigen Wurzeln und der Zuckerproduktion beginnen“, beschreibt Karl Mayr die optimale Bedingungen für seine Pflanzen. Dieses Jahr konnten die Rüben zumindest von einem optimalen Herbst profitieren.

Die Rübe, um die sich bei Karl Mayr alles dreht.

Wie viel Zucker seine Rüben abgelagert haben, erfährt der Landwirt erst wenn die Abrechnung der Zuckerfabrik eintrudelt. Je höher der Zuckeranteil ist, desto mehr Geld erhält der Bauer für seine Rüben. Im Schnitt werden aus 100 kg von Mayrs Rüben 17-19kg Zucker gewonnen – eine starke Leistung der Natur.

Die Feinde der Zuckerrübe

Nicht nur wir Menschen mögen süßen Geschmack. Auch kleine Nager, wie Mäuse, lassen sich die Rübe schmecken. Zu den größten Feinden der Zuckerrübe gehören Insekten. Erst in diesem Jahr hat der Rübenderbrüssler im Frühjahr die Rübenpflanzen auf Mayrs Äckern zerstört. Aber auch Bodenverdichtungen, etwa durch schlechte Fruchtfolge, schaden der Zuckerrübe. Zuletzt gibt es auch noch einen Feind, der sich oft gut tarnt – wenn man die Blätter genau betrachtet, erkennt man auf manchen braune Flecken: „Das ist eine Blattkrankheit, die in den letzten Jahren zugenommen hat. Je brauner die Blätter, desto weniger Zucker produziert die Rübe", erklärt Karl Mayr mit besorgter Miene. Aber der Landwirt hat stets ein wachsames Auge auf seine Felder und erkennt damit die Blattkrankheit schon in der Entstehung. Damit kann er rechtzeitig notwendige Maßnahmen ergreifen und seine Zuckerrüben schützen.

Wie gelangt die Rübe von Langlebarn nach Tulln und zuletzt nach Edelstal

Im Jahr 2002 hat Karl Mayr den Hof von seinen Eltern übernommen und baut auch weiterhin  Zuckerrüben an: „Ich bin ein Landwirt, man macht das eben. Man schaut, dass die Pflanzen gesund bleiben und dass sie sich bis zur Ernte gut entwickeln. Als Landwirt hat man ganz konkrete Ziele.”

„Wichtig ist der Herbst mit warmen Tagen und kalten Nächten, damit optimal Zucker in die Rübe eingelagert wird."
Karl Mayr, Zuckerrübenbauer aus Niederösterreich

Es hat sich einiges geändert in den letzten Jahren und viele Schritte sind bei der Zuckerproduktion nun automatisiert und damit effizienter als damals. Das Saatgut enthält mittlerweile auch schon Düngemittel und wird mit einer Maschine in der optimalen Distanz gesetzt. Auch die Ernte geschieht mit maschineller Hilfe. Eine Erntemaschine trennt mit einem Schnittwerk die Blätter ab, zieht die Rübe aus dem Boden und verfrachtet sie in den Laderaum. Die Zuckerrüben bringt Mayr direkt ins Werk nach Tulln, wo sie zu dem Zucker verarbeitet werden, der auch in den im Burgenland produzierten Erfrischungsgetränken von Coca-Cola zum Süßen verwendet wird

Dadurch unterstützt das Unternehmen die heimische Landwirtschaft sowie Industrie.

Eine Neuigkeit auf der Speisekarte

Von den tausenden Rüben, die auf den Feldern von Karl Mayr wachsen, zwackt der Landwirt nichts für die eigene Küche ab. Die Zuckerrübe wird in der Österreichischen Gastronomie kaum verwendet, obwohl man sie auch roh als Salat und ihre Blätter wie Spinat oder Mangold als Gemüse essen könnte. Karl Mayr hat für uns auf seinen Feldern eine Zuckerrübe angeschnitten und wir konnten uns vom süßen Geschmack dieses Kraftwerkes der Natur überzeugen.

Wir danken Karl Mayr für die freundliche Mitarbeit und Gastfreundschaft.

 

Zum Drüberstreuen noch ein paar Fakten zu Zucker bzw. Zuckerrüben

Der Aufstieg der Zuckerrübe als Zuckerlieferant begann mit Napoleons Kontinentalsperre von 1807 bis 1813. Diese Maßnahme verteuerte den Import von Zucker aus den Kolonien drastisch. Die Menschen in Europa waren aber nicht mehr bereit, auf Zucker zu verzichten. Die Rübenzuckerindustrie blühte während der Kontinentalsperre auf.

Die Zuckerrübe entstand gegen Mitte des 18. Jahrhunderts durch Züchtung aus der Runkelrübe, wobei gezielt auf einen hohen Zuckergehalt selektiert wurde. Dadurch konnte der Zuckergehalt von anfänglich 8 auf 16 Prozent (um 1800) gesteigert werden. Heutige Zuckerrüben haben einen Zuckergehalt von 18 bis 20 Prozent.

Die AGRANA Zucker GmbH, der einzige Zuckerhersteller Österreichs, betreibt die beiden Zuckerfabriken in Tulln und Leopoldsdorf, mit einer Produktionskapazität von über 400.000 Tonnen Zucker.

Nach der Ernte nimmt der Zuckergehalt bei der Lagerung ab, deshalb muss die Verarbeitung rasch durchgeführt werden, um eine möglichst hohe Zuckerausbeute zu erzielen. Dies führt dazu, dass die Rübenverarbeitung jedes Jahr zwischen Ende September und Mitte Jänner durchgeführt wird.